Glückskinder und Chancen: Hermann Scherer

Gehörst Du zu den Glückskindern und setzt bereits Deine Chancenintelligenz ein, oder bist Du noch auf dem Weg dahin? Heute wollen wir gemeinsam mit dem Redner, Autor und Unternehmensberater Hermann Scherer der Frage nachgehen: „Glückskinder. Warum manche lebenslang Chancen suchen – und andere sie täglich nutzen“. Wieso ist das wichtig? Ganz einfach, weil das Leben uns in unterschiedlichen Lebensbereichen täglich Chancen bietet, und je nachdem, wohin wir unseren Fokus wenden, sind wir in der Lage, diese zu erkennen oder nicht. 

„Die Hoffnung, dass andere etwas bewegen, ist Selbstaufgabe. Medien, Parteien, manche antiquierten Verbände – sie schläfern die Menschen ein. Sie betäuben uns mit Hoffnung. … Warum sollte jemand anderes meinen Interessen nachgehen?“

Scherer, Glückskinder, 23

1. Nimm Deine Interessen selbst in die Hand

Die Frage des Autors ist berechtigt. Sie betrifft gleich mehrere Ebenen: Verantwortung, Zielsetzung und Handlungsfähigkeit. Wer außer einem selbst, kann die eigenen Interessen besser definieren und vertreten? Eltern, Partner, Freunde, irgendwelche Vertreter? Sicher nicht. Die Abgabe der Selbstverantwortung an andere, macht abhängig. Außerdem kann zumindest bisher noch keiner die Gedanken von anderen lesen ;-). Zudem bleibt zu hinterfragen, ob die Interessenvertreter tatsächlich im eigenen Sinne handeln oder doch mehr in ihrem Interesse. Hinzu kommen potentielle Konflikte in Bezug auf die eigenen Ziele und die Ziele der anderen. Wenn man natürlich ziellos durch die Gegend segelt, erübrigt sich der Gedanke. Auch Scherer hält fest:

„Menschen entscheiden sich konsequent und trotzig gegen die Chance. Sie sehen sie nicht, weil sie nicht danach suchen. Sie hoffen lieber, sie planen lieber. Oder sie entscheiden sich dafür, den ganzen Stress mit den Chancen ein für alle Mal abzuhacken.“

Scherer, Glückskinder, 26 

Chancen erkennt also, wer aktiv bleibt und danach sucht. Die Alternative lautet: Wer die Augen vor seinen Möglichkeiten verschließt, glaubt auch keine zu haben, was bei manchen schließlich Neid auslöst: Neid auf diejenigen, die Scherer als Glückskinder bezeichnet. Das sind Menschen, die bereit sind, auf Sicherheit zu verzichten und das zu tun, wovon andere träumen. Um Chancen zu erkennen, sind nämlich gewisse Fähigkeiten nötig: Neugier, Perspektivenwechsel und ein Grundbedürfnis nach neuen Erfahrungen. Als Feind von neuen Chancen definiert der Autor das Leben in der Komfortzone.

„Wir wählen die Sicherheit und mit ihr die Blindheit. Wir wählen den Spatz in der Hand.“

Scherer, Glückskinder, 31

Wer Chancen will, braucht zwei freie Hände. Der Autor empfiehlt deshalb eine Bestandsaufnahme des eigenen Lebens. Ein guter Anfang ist die Überprüfung des Hausstandes. Einfach mal anschauen, was sich über die Zeit in den Regalen und Kleiderschränken so angesammelt hat, und prüfen, ob das alles tatsächlich das eigene Leben bereichert. Was wird tatsächlich benutzt und was kann weg?

„Wir halten an den Dingen fest, weil wir an unserem Leben festhalten wollen. Dabei ist das ein Irrtum. All die Dinge halten uns in Wahrheit fern von unserem Leben, sie machen uns schwer, sie fesseln uns an unsere Vergangenheit.“

Scherer, Glückskinder, 35

Das Loslassen bezieht sich nicht nur auf materielle Dinge, sondern auch auf Menschen und schlechte Gewohnheiten. Der immaterielle Ballast kann auch aus unerledigten Aufgaben bestehen, die einen unterbewusst fesseln. Ist der Ballast endlich weg, wird es viel leichter, das zu erkennen, was einem wirklich Freude bereitet.

„Wer Chancen entdecken will, wer Neues erobern will, der muss Altes loslassen. Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert“.

Scherer, Glückskinder, 43

2. Strebe nach dem Unrealistischen

Laut Scherer ist es oft leichter, das Unrealistische zu erreichen, als das Realistische: 

„99 Prozent der Menschen auf dieser Welt glauben nicht daran, dass sie in der Lage sind, etwas Großes zu vollbringen, und streben nur nach dem Mittelmaß. Folglich ist gerade bei den realistischen Zielen der Wettbewerb am schärfsten. Deshalb ist es paradoxerweise besonders zeit- und energieaufwändig, solche vermeintlich einfachen oder normalen Ziele zu erreichen.“

Scherer, Glückskinder, 60

Zusammengefasst möchte der Autor  anregen, sich größere Ziele zu setzen und seine Ansprüche auf keinen Fall zu senken. Ein solches Verhalten führt zu einer Einschränkung des eigenen Gesichtsfelds und Horizonts der Chancen. Insbesondere im Hinblick darauf, dass unser Leben endlich ist und eines Tages garantiert endet, ist es fahrlässig, den wertvollsten Besitz, den wir haben, einfach zu vertrödeln.

„Denn jeder Tag, den Sie nicht auf das Ziel zulaufen, ist vorbei und verloren, er kommt nie wieder.“

Scherer, Glückskinder, 61

Am Ende des Lebens bereuen die Menschen meistens das, was sie nicht getan haben: die verpassten Chancen. Um maximale Freude zu erreichen, ist aus Sicht von Scherer auch maximales Risiko erforderlich. Wer seine Ziele fest im Blick hat, lässt sich nicht so leicht von den Sonderangeboten des Lebens ablenken. Die Hürden gehören dazu und die Belohnung wartet am Ende des Weges. Wer schon vorher aufgibt, wird seine Ziele eher nicht erreichen. Diesbezüglich beschreibt der Autor, dass es keinen direkten Weg gibt. Das Leben ist schließlich so konstruiert, dass sich bereits kurz nach dem Aufbruch die ersten Hürden einstellen. Doch gerade die Entwicklung der Problemlösungsfähigkeit und das damit einhergehende Durchhaltevermögen bringen uns weiter.

„Nur weil mein Pferd tot ist, ändere ich doch nicht mein Ziel! Ich tausche das Pferd aus, nicht mein Ziel! Ich senke nicht meine Ansprüche, ich ändere die Strategie.“

Scherer, Glückskinder, 78

3. Suche das Abenteuer

Das Leben bietet eine unendliche Fülle an Möglichkeiten. Viele können diese jedoch nicht sehen. Mitverantwortlich ist laut Scherer die Schule. Diese bringt einem bei, gewisse berufliche Chancen zu erkennen. Gleichzeitig bleiben diese bereits aufgrund des vordefinierten Lehrplans limitiert.

„Ob wir etwas aus unserem Leben machen, hängt nicht davon ab, ob wir brav zur Schule gegangen sind, wo unsere Schulen bei Pisa im Mittelfeld oder an der Spitze gelandet sind, ob wir Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Waldorfschule oder High School besucht haben. Es ist auch nicht entscheidend, ob wir studiert haben oder nicht. Fast nicht. Ob wir etwas aus unserem Leben machen, hängt vielmehr davon ab, ob wir unsere Träume verfolgen, uns hohe Ziele stecken, die Zeit für uns arbeiten lassen, richtig rechnen und richtig fragen, den Mut haben, das Abenteuer zu suchen. Viel wichtiger als Zeugnis, Abitur oder Diplom ist ein Leben, das dem Herzen folgt statt einem Lehrplan…“

Scherer, Glückskinder, 138

Der Feind von echten Chancen ist der Kleinmut. Es ist nicht die Schule. Wer sich entscheidet, genau dasselbe zu machen wie die meisten, findet weniger Chancen. Insbesondere sieht Scherer hier das Bildungssystem kritisch, da dieses extrem langsam und rückwärtsgewandt sei. Die Topberufe der Zukunft kennt dort niemand. Wie auch? Das gehört schließlich nicht zur Ausbildung. Deshalb ist der einzig wahre Weg, das eigene Herz. Die innersten Wünsche, gepaart mit rationalen Entscheidungen und ungewöhnlichen Wegen, öffnen einem den Blick für die passenden Gelegenheiten. Wer allerdings nach Mittelmaß strebt, wird kein Glückskind werden.

„Wer sich wie ich fragt, wie es sein kann, dass manchen Menschen ein Durchbruch gelingt, wo alle anderen nur eine unüberwindbare Mauer sehen, muss näher hinschauen. … Wieso schert es sie keinen Deut, was die anderen denken? Wie die anderen sie belächeln und vielleicht sogar auslachen, nur weil sie sich nicht an die unausgesprochenen Regeln halten? Solche Menschen sind offensichtlich vor allem eines: fokussiert. Sie leben in diesen magischen Momenten radikal aus dem Inneren heraus.“

Scherer, Glückskinder, 163

Unbeirrbarer Fokus gepaart mit einem naiven kindlich-einfachen Blick für die sich eröffnenden Chancen, diese Fähigkeit macht gewisse Menschen zu Glückskindern. Entweder wurde ihnen diese – so Scherer – in die Wiege gelegt oder sie haben sie erlernt und im Laufe der Zeit perfektioniert. Ihr Fokus ist lösungsorientiert ausgerichtet, sodass sie über die üblichen Grenzen hinaus sehen können.

4. Fazit

In seinem Buch „Glückskinder. Warum manche lebenslang Chancen suchen – und andere sie täglich nutzen“ geht der Autor, Unternehmensberater und Redner Hermann Scherer der Frage nach, warum einige Menschen den Zustand des Glücklichseins erreichen und andere nicht. Dabei stellt er heraus, dass es sich nicht um zufällige Glückstreffer handelt, sondern um eine bestimmte Art zu leben. Diese beinhaltet die dauerhafte Fähigkeit, Chancen zu entdecken und zu nutzen. In seinem Buch erzählt er zum Teil auf eine humoristische Weise über seine eigenen Erlebnisse und verknüpft diese mit so manchen philosophischen oder auch psychologischen Erkenntnissen. Hier und da finden sich einige bekannte Floskeln und Sprichwörter. Das Buch liest sich leicht und lässt einige inspirierende Gedanken erkennen. Und wie steht es um Dich? Würdest Du Dich als Glückskind bezeichnen und wenn ja, weshalb?

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