Mit Side-Hustles zu mehr Einkommen

Erinnerst Du Dich noch an Deinen ersten Nebenjob? Was hast Du gemacht? Also ich habe damals neben der Schule im Fitnessstudio ein paar Stunden die Woche an der Theke ausgeholfen und gleichzeitig im selbigen trainiert. Bei wenig Betrieb habe ich für die Schule gelernt. Kurze Zeit später habe ich noch einen weiteren Nebenjob angenommen und mit Orgelspielen angefangen. Das erste Mal eigenes Geld verdienen, das war ein tolles Gefühl.

Seltsamerweise scheint der Nebenjob aber keinen so guten Ruf zu genießen, denn egal, wo man hinschaut, – insbesondere bei den aktuellen Diskussionen um das Thema Fachkräftemangel – wird der Vollzeitjob als eine Art Heiliger Gral angepriesen. Dabei eignet sich das Konzept nicht für jeden und mit steigendem Einkommen sind die Abzüge so hoch, dass der reale Nettostundenlohn teilweise unweit vom Mindestlohn entfernt ist. Ich halte deshalb eine Kombination aus einer Teilzeitstelle (insofern man in einem Abhängigkeitsverhältnis überhaupt arbeiten möchte) und Nebentätigkeiten für die bessere Lösung, da unter dem Strich mehr Netto vom Brutto übrigbleibt. Alternativ ist das Unternehmertum eine tolle Möglichkeit, um die finanzielle Freiheit zu erreichen. Dieses Unterfangen geht jedoch mit einem größeren Risiko einher und setzt gewisse Talente voraus.

Warum es im Leben Alternativen zum Nine-to-Five-Job braucht und was das aktuelle Schulsystem damit zu tun hat, erfährst du in diesem Beitrag.

„Sowohl die öffentlich-rechtlichen Medien als auch die Politik möchten nicht, dass du Unternehmer oder finanziell unabhängig wirst. […] Der abhängig Beschäftigte ist die Melkkuh, er hat steuerlich keine Spielräume, er ist gläsern. Er ist aus Sicht der Politik der ideale Bürger.“

Christian Schmid und Rubén Alvarez Barrera, Feierabendboss, 13

1. Warum es Alternativen zum Nine-to-Five-Job braucht

Auf das Buch Feierabendboss: Unabhängig mit Nebeneinkommen – 33 praktische Side Hustles für mehr persönliche Freiheit bin ich über den Podcast der beiden Autoren aufmerksam geworden. Der Finanzpodcast Nein2Five beschäftigt sich mit unterschiedlichen Möglichkeiten, durch Nebentätigkeiten dem Ziel der finanziellen Freiheit näherzukommen und privat für die eigene Rente vorzusorgen. Letzteres nehmen die Autoren zum Anlass, um die Illusion der „sicheren Rente“ oder den Glaubenssatz der „Staat wird sich schon um seine Senioren kümmern!“ zu hinterfragen. Zugleich zeigen sie mögliche Lösungswege auf und erklären, welche Alternativen es zum Nine-to-Five-Job gibt. 

Auf dem Weg zur Lösung steht die Frage, wie kannst auch Du „finanziell frei oder zumindest freier leben?“ Die Antwort lautet: „Du brauchst einen Plan B!“ Dieser Plan sieht vor, das eigene Einkommen zu erhöhen. Das geht auf dem konventionellen Weg einer klassischen Karriere.  Die präferierte Alternative der Autoren (und auch meine) lautet: Einkommen erhöhen durch mehrere Nebeneinkommen. Auf diese Weise steigt die Unabhängigkeit vom Hauptjob und das Klumpenrisiko wird reduziert. 

„Je weniger du dich an dein Hauptjob gefesselt fühlst, desto entspannter wirst du sein. Vermutlich wirst du auch erfolgreicher sein.“

Christian Schmid und Rubén Alvarez Barrera, Feierabendboss, 32

Der Vorteil von Nebeneinkommen ist nämlich, dass diese oft keinen Abgaben unterliegen (Minijob, Übungsleiterfreibetrag) oder nur geringen Abgaben (freiberufliche/gewerbliche Nebentätigkeit). Das zusätzliche Einkommen ermöglicht, mehr zu sparen und das Geld zu investieren. Auf diese Weise entscheidest Du selbst, wie Deine Altersvorsorge aussehen soll, statt zwangsweise in ein System zu bezahlen, das immer weniger zukunftsfähig ist.

2. Die moderne Arbeitswelt und unser Schulsystem passen nicht zusammen

„Das staatliche Schulsystem schult dich zum Angestellten.“

Christian Schmid und Rubén Alvarez Barrera, Feierabendboss, 19

Bildung bedeutet Freiheit. Finanzielle Bildung ist entscheidend für finanzielle Freiheit. In der Schule wird diese jedoch nicht gelehrt. Zu meiner Schulzeit habe ich Romeo und Julia in Frühneuenglisch gelesen, Gedichtsanalysen jeglicher Form erörtert und mich mit Vektorrechnung gequält.  Gebracht hat mir das wenig. Finanzielle Bildung habe ich mir selbst aneignen müssen. Die Lehrmeisterin war in diesem Fall das Leben selbst. Angefangen von der ersten Steuererklärung bis hin zum Investieren an der Börse.

Was die Autoren am staatlichen Schulsystem kritisieren, ist, dass dieses die Schüler zu Angestellten erzieht. Das erste Hauptproblem ist die Dressur in Richtung Fehlervermeidung. Wer weniger Fehler macht, bekommt bessere Noten. Auf diese Weise entsteht ein Kreislauf, der Passivität fördert und Aktivität verhindert. Und genau diese „Fehlervermeidungsmentalität“ unterdrückt Kreativität, Fantasie, Kunst und Unternehmergeist. 

Das zweite Problem ist das Beamtentum. Aufgrund der Verbeamtung leben Lehrer in einem anderen System „außerhalb der normalen Gesetze der Marktwirtschaft“. Unternehmerisches Denken steht nicht auf der Tagesordnung. Auch haben viele Lehrer wenig finanzielle Bildung (Problem 3). Wenn ich auf meine Schulzeit auf dem Gymnasium zurückblicke, kann ich diese Kritik nachvollziehen. Glücklicherweise habe ich den meisten Lehrern einfach nicht zugehört. Jugendliche erkennen nämlich sehr schnell, ob jemand sein Handwerk beherrscht, die Zeit bis zur Rente absitzt oder selbst keine große Lust hat, in der Schule zu sein. Ich hoffe nur, dass zukünftig Änderungen am Bildungssystem diese Lücke schließen und lebensrelevante und praxisnahe Themen wie Wirtschaft und finanzielle Bildung aufgreifen werden. 

Das vierte Problem wird durch die Lehrpläne verursacht. Diese sind noch aus dem vorletzten Jahrhundert. Der Hauptkritikpunkt lautet: „Schüler werden darauf getrimmt, gute Noten zu schreiben, um einen guten Job zu ergattern.“ D.h. im Umkehrschluss, die Schule erzieht zukünftige Angestellte. Wer sich an das System anpasst, wird belohnt, wer einen anderen Weg einschlägt, wird bestraft.

Das letzte Problem unserer Schulbildung besteht laut den Autoren im Diebstahl der Kreativität. Diese Fertigkeit kommt durch das aktuelle Schulsystem oft abhanden. Doch gerade Kreativität ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, um Innovationen zu kreieren und unternehmerisches Denken anzuregen. Schließlich sind es die späteren Unternehmer, die durch ihre Ideen Arbeitsplätze schaffen und das Leben der Gesellschaft verbessern.

„Wir leben also eine Kluft: ein Schul-Rentensystem, das gefüttert und gemästet werden muss. Ein System, welches immer noch davon ausgeht […], dass die Mehrheit der Schüler nach der Schule langfristig eine Festanstellung landen werden. Und auf der anderen Seite wird die volkswirtschaftliche Wirklichkeit ausgeblendet, dass immer weniger Menschen langfristig in Festanstellungen beschäftigt sind.

Christian Schmid und Rubén Alvarez Barrera, Feierabendboss, 22

Darüber hinaus passt das aktuelle Schulsystem mit der modernen Arbeitswelt nicht gut zusammen, da die Zeit von geradlinigen Lebensläufen und Tätigkeiten in nur einem Betrieb passé ist. Sowohl die Berufsbilder als auch die Arbeitswelt und Arbeitsweise sind im Wandel. Ohne Digitalisierung geht heute nichts mehr voran. Home-Office wird immer beliebter und Flexibilität steht bei Arbeitnehmern an der Tagesordnung. 

Im Hinblick auf die Altersversorgung der gesetzlichen Rentenversicherung ist nur eins sicher: Um den gewohnten Lebensstandard zu halten, wird die Rente nicht reichen. Nur wer selbst vorsorgt, hat die Chance, die Versorgungslücke zu schließen und Altersarmut vorzubeugen. Dabei führt kein Weg an der Börse vorbei. Das gilt sowohl für die private Vorsorge als auch für die gesetzliche Rentenversicherung. Das Umlagesystem ist nämlich am Ende. Betroffen sind insbesondere die Generation Y (1981-1995), Z (1995- 2010) und nachfolgende Generationen.

3. Mit Side Hustles in die finanzielle Freiheit

„Wer früher finanziell frei sein will, muss also an zwei Stellschrauben drehen. Man muss

  • die eigenen Lebenshaltungskosten radikal senken und
  • so investieren, dass das eingesetzte Kapital möglichst produktiv arbeitet“

Christian Schmid und Rubén Alvarez Barrera, Feierabendboss, 37

Ein Kapitalstock kann auf unterschiedliche Weise aufgebaut werden. Statistisch gesehen erreichen Aktien die höchste Rendite über einen langfristigen Zeitraum. Bevor es allerdings an die Praxis geht, ist es wichtig, die eigenen Glaubenssätze zu überprüfen. Denn nur „wer Geld und Wohlstand gegenüber offen und positiv eingestellt ist, kann ihn erreichen und aufrechterhalten.“ Zu diesem Thema habe ich bereits an anderer Stelle einen Artikel veröffentlicht. 

Investieren ist an sich nicht kompliziert. Das geht bereits in drei einfachen Schritten. Voraussetzung ist, dass Du verstehst, was Du machst. Deshalb ist finanzielle Bildung so wichtig. Wer über finanzielle Bildung verfügt, entflieht leichter der Lifestyle-Inflation, spart mehr und investiert die Überschüsse in sein Freiheitskonto/Vorsorgekonto. Je früher man damit anfängt, desto länger kann der Zinseszins wirken. Ein weiterer Bonus ist, dass ein angespartes Vermögen Dir die Freiheit gibt, selbst zu entscheiden, wann Du in den Ruhestand gehen möchtest. Du bist nicht darauf angewiesen, zu warten, bis die gesetzliche Rentenversicherung Dir Bezüge auszahlt. 

Side Hustles geben Dir die Möglichkeit, ein zusätzliches Einkommen zu generieren und Dich dabei auszuprobieren. Ein paar Stunden pro Woche reichen zu Beginn bereits aus. Hast Du Fähigkeiten, für die andere Menschen bezahlen würden? Gibt es in der Nachbarschaft beispielsweise viele Hunde und Du möchtest diese ausführen? Oder hast Du spezielles Wissen aus einer bestimmten Branche und möchtest dazu YouTube-Videos drehen oder einen Podcast aufnehmen? Du brauchst Dich nicht auf eine Idee zu beschränken. Hier gilt ausnahmsweise Quantität vor Qualität. Erst, wenn eine Idee tatsächlich Einkommen generiert, dürfen diejenigen, die nicht funktionieren, gehen. Was auch wichtig ist: der Spaßfaktor. Eine Nebentätigkeit entsteht im besten Fall aus einer Leidenschaft heraus und bereitet Dir Freude.

4. Fazit

Feierabendboss werden: ja oder nein? Wie sieht es denn bei Dir aus? Für mich stellt sich die Frage nicht, da ich mehreren Nebentätigkeiten nachgehe und meine Haupttätigkeit in der ständigen Weiterentwicklung meiner Fähigkeiten und Talente sehe. Bildung hört nämlich weder mit der Schule noch mit der Universität (oder Ausbildung) auf. Sie ist ein lebenslanges Unterfangen. 33 Ideen für mögliche Nebentätigkeiten stellen die Autoren vom Feierabendboss vor. Auch in ihrem Podcast findest Du Anregungen. Ich setze übrigens auf eine Kombination aus Teilzeit, Freiberuf und alle paar Jahre Minijob. 

Durch das Internet haben wir heute die Möglichkeit, uns selbst weiterzubilden. Wer hier selektiv vorgeht, findet viele spannende und kreative Angebote. Auch gibt es unzählige Fachbücher, Podcasts und Blogs national wie international, die viel Wissen vermitteln. Was Side Hustles angeht, hier gilt die Devise: Probieren geht über Studieren. Erst in der Praxis zeigt sich, ob mit der Nebentätigkeit ein Zusatzeinkommen entsteht oder nicht. Ich kann Dir nur den Mut zusprechen, es einfach auszuprobieren. Deiner Haupttätigkeit kannst Du ja weiterhin wie gewohnt nachgehen.

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