Die Vereinbarung von Arbeit und persönlichen Zielen: The Big Five for Life

Das Thema Arbeit nimmt im Leben der meisten Menschen einen großen Platz ein, da sie vorwiegend Zeit gegen Geld tauschen und dabei nur selten die finanzielle Freiheit erreichen. Bei diesem Tausch geht die Freude an der Arbeit jedoch oft verloren. Wie es möglich ist mit einem Lächeln zur Arbeit zu gehen, weil der Job einen erfüllt, davon erzählt der Bestsellerautor John Strelecky in seinem Buch: „The Big Five for Life. Was wirklich zählt im Leben.“ Ganz im unternehmerischen Geist hat der Autor natürlich auch einen Kurs zu dem Thema entwickelt ;-). Wir wollen uns heute aber mit dem Buch befassen, das wesentlich günstiger zu erwerben ist.

„Was wäre, wenn jeder Tag unseres Lebens katalogisiert würde? Unsere Gefühle, die Menschen, mit denen wir zu tun haben, die Dinge, mit denen wir unsere Zeit verbringen? Und wenn man am Ende unseres Lebens ein Museum errichtet würde, in dem genau zu sehen wäre, wie wir unser Leben verbracht haben?“

Strelecky, Big Five, 24

1. Produktivität versus Arbeitszeit

Wer sich die aktuelle Nachrichtenlage zum Thema Arbeit anschaut, wird freundlicherweise mit Fragen konfrontiert, ob die Deutschen zu faul seien, zu wenig arbeiten würden und deshalb für den eigenen Wohlstandsverlust verantwortlich wären. Wer allerdings genauer hinschaut, wird feststellen, dass die Produktivität bereits seit Jahren rückläufig ist und dies nicht automatisch mit weniger Arbeitsstunden zusammenhängt. Statistiken zeigen genau das Gegenteil, dass Länder mit einer geringeren Anzahl an Wochenarbeitsstunden auf dem Produktivitätsindex besser abschneiden als Länder, in denen besonders lange gearbeitet wird. 

Auch ist die zunehmende Ausweitung von neuen Stellen für Staatsbedienstete und Verwaltungsangestellte nicht förderlich für das Wachstum der Wirtschaft. Was wir brauchen, ist mehr Unternehmer, die Arbeitsplätze und Wohlstand schaffen. Auch brauchen wir mehr Millionäre und Milliardäre. Doch stattdessen sorgt Deutschland für ihre Abwanderung. Darüber hinaus entscheidet die Quantität der Arbeitszeit nicht über die Qualität der Ergebnisse. Nur weil jemand sich am Eingang eines Firmengebäudes einstempelt und 8 (oder mehr) Stunden in einem Bürogebäude verbringt, leistet er noch lange keine produktive Arbeit. Wer stattdessen Möglichkeiten findet, die Aufgaben in 2 Stunden zu erledigen und sich die restlichen Stunden frei zu nehmen, der wird als faul bezeichnet. Diejenigen, die also tatsächlich etwas leisten wollen, motiviert sind und smarte Lösungen erarbeiten, werden auf unterschiedlichste Weise ausgebremst.

Wie die Probleme Deutschlands gelöst werden können, das haben bereits verschiedene Ökonome und Persönlichkeit der Wirtschaft erörtert. Darauf werde ich hier nicht eingehen. 

Wir fokussieren uns stattdessen auf die Frage, wie es möglich ist, mit einem Lächeln zur Arbeit zu gehen und aus Sicht von John Strelecky, die persönlichen Lebensziele mit der Arbeit zu vereinbaren.

„Wenn wir 80 Prozent unserer Zeit mit einem Job verbrächten, der uns nicht gefällt, dann wären auch 80 Prozent des Museums genau damit gefüllt. Man würde Bilder und Zitate sowie kurze Videofilme sehen, die Szenen verschiedener unglücklicher Momente zeigen.“

Strelecky, Big Five, 24

Im einleitenden Teil des Buches schildert John die Begegnung mit einem unbekannten Mann am Bahnsteig. Dieser fragt ihn: „Ist heute ein guter Museumstag?“ (20) Sichtlich irritiert, gibt John keine Antwort. Bei einer weiteren zufälligen Begegnung hakt er nach. Joe, so der Name des Unbekannten, lädt ihn dazu ein, sich vorzustellen, dass sein ganzes Leben in einem Museum dokumentiert wäre. Was würde er (und nach seinem Tod andere Menschen) zu sehen bekommen, wenn er am Ende seines Lebens durch dieses Museum schlendert? Wer 80 % seiner Lebenszeit in einen Job steckt, der ihn unglücklich macht, und nur beispielsweise 2 % in etwas, was glücklich macht, würde genau das in seinem Museum abbilden mit dem Resultat:

„Die Erinnerung an uns würde nicht auf dem Leben basieren, dass wir uns eigentlich erträumt hatten, sondern darauf, wie wir tatsächlich gelebt haben.“

Strelecky, Big Five, 25

Der Unbekannte, so stellt sich heraus, ist ein Unternehmer mit einer besonderen Lebens- und Unternehmensphilosophie. Vor der Gründung seines ersten Unternehmens kam Joe „zu der Überzeugung, dass das Leben eine Reise ist, bei der wir die Möglichkeit haben, unseren persönlichen Zweck der Existenz zu erfüllen (32)“. Dabei wurde ihm klar, dass nicht nur jeder Mensch einen eigenen ZDE (Zweck der Existenz) besitzt, sondern auch jedes Unternehmen. Daraus entstand die Idee, ein Unternehmen zu gründen und zu leiten, bei dem die Menschen nicht trennen müssen zwischen ihrer Freizeit und der langen Arbeitswoche, weil sie jeweils einen anderen Zweck der Existenz verfolgen, sondern beides miteinander zu vereinbaren. Damit würden sich Konflikte zwischen den Arbeits- und Lebenszielen auflösen.

Während die meisten Firmen nach einem bewährten Geschäftsmodell funktionieren, bei dem die Mitarbeiter durch Mittel und Sonderzulagen motiviert werden, hat Joe die Entscheidung getroffen, einen anderen Jobanreiz zu bieten: Die Möglichkeit, das Geld mit einer Tätigkeit zu verdienen, die die Menschen erfüllt und die sie als sinnvoll empfinden, weil die Ziele des Unternehmens mit ihrem persönlichen Zweck der Existenz übereinstimmen.

Warum ist das wichtig? Ganz einfach: Die Produktivität und die Fluktuation der Mitarbeiter wirkt sich erheblich auf den Gewinn eines Unternehmens aus. Wenn ein Unternehmen keine Gewinne erwirtschaftet, kann das Unternehmen nicht überleben und die Mitarbeiter bekommen keinen Lohn. Dann spielt es auch keine Rolle, wie motiviert oder erfüllt sich die Menschen fühlen. Im Umkehrschluss bedeutet das: „Je besser der Zweck der Existenz eines Menschen zu dem ZDE des Unternehmens passt, desto wahrscheinlicher ist es, dass er langfristig bei dem Unternehmen bleibt. Und je mehr seine Tätigkeit auf seinen ZDE […] abgestimmt ist […], desto produktiver ist er […]. (51)“

„Ob es uns gefällt oder nicht, vom Tag unserer Geburt an, bis zum Tag, an dem wir sterben, führt unser Leben immer irgendwohin, und die ganze Zeit über tun wir irgendetwas.“

Strelecky, Big Five, 25

2. Der Weg zum Zweck der Existenz: die Big Five

Laut Strelecky definiert jede Person für sich selbst, was sie unter Erfolg versteht, indem sie ihre eigenen Big Five im Leben erkennt. Dabei handelt es sich um die „fünf Dinge, die wir tun, sehen oder erleben möchten, bevor wir sterben. (67)“ Als Beispiel (76) führt der Autor  an: Welt bereisen, Erfolgssong schreiben, Inspiration für andere sein, Spanisch fließend sprechen lernen und ständige Weiterentwicklung von Körper und Geist. Wer die fünf Dinge vor seinem Tod erlebt hat, kann am Ende seines Lebens entspannt zurückblicken und feststellen, dass er seine Big Five realisiert hat und das eigene Leben als erfolgreich verbuchen. 

„Beim Zweck der Existenz geht es genau darum, wonach es sich anhört. Das ist der Grund, warum etwas existiert.“

Strelecky, Big Five, 178

Im Hinblick auf eine berufliche Tätigkeit stellt der Autor fest, dass kaum etwas die Arbeit so sehr behindert wie jemand, „der entweder am falschen Platz oder notorisch unzufrieden ist. (179)“ Das wirkt auf die anderen Mitarbeiter demoralisierend und verschwendet viel Zeit und Energie. Deshalb ist es wichtig, dass Führungskräfte regelmäßig überprüfen, ob die Tätigkeit ihrer Mitarbeiter sowohl zu ihrem ZDE als auch zu dem des Unternehmens passt. Es macht nämlich einen großen Unterschied, ob jemand lediglich für Geld arbeitet oder seiner Arbeit nachgeht, weil die Person beispielsweise anderen dabei helfen möchte, „das tolle Gefühl beim Drachenfliegen zu erleben. (178)“ Dieser Perspektivenwechsel bewirkt nämlich eine entscheidende Veränderung der Einstellung und Motivation.

„Natürlich haben Menschen in ihrem Leben Höhen und Tiefen. Aber meistens erreichen ihre Höhen ungefähr das gleiche Level, und die Tiefen liegen ebenfalls ungefähr bei einem gleich tiefen Punkt auf der Skala. Die Menschen pendeln zwischen diesen beiden Punkten hin und her. Das Geheimnis des Lebens besteht darin, eine Sinuskurve zu haben, die sich nicht ständig gleichförmig zwischen diesen beiden Polen bewegt, sondern im Laufe der Zeit ansteigt.“

Strelecky, Big Five, 202

Im letzten Teil des Buches geht es um die Zufriedenheit im Leben. Dies bildet der Autor an einer Sinuskurve ab. Er stellt fest, dass sich die Sinuskurve bei den meisten Menschen gleichförmig bewegt und auf einer Linie verbleibt. Aus seiner Sicht ist allerdings eine aufsteigende Lebenskurve das wahre Ziel. Dies bedeutet, „sie pendelt nicht zwischen zwei Hoch- und Tiefpunkten hin und her, sondern „erreicht im Laufe der Zeit neue Höhen. (202 f.)“ Das bedeutet, dass ab einem bestimmten Moment die Tiefs höher liegen als früher die Hochs. Die Lebenskurve steigt umso stärker an, je mehr Zeit man am Tag mit etwas verbringt, das dem eigenen ZDE entspricht.

3. Fazit

In seinem Buch „The Big Five for Life. Was wirklich zählt im Leben“ betrachtet John Strelecky die Arbeitswelt von zwei Seiten, sowohl aus der eines Unternehmers als auch aus der eines Mitarbeiters. Im Mittelpunkt des Ganzen steht der Zweck der Existenz, da sowohl jeder Mensch als auch jedes Unternehmen diesen besitzen. Je mehr Einklang zwischen den beiden herrscht, desto mehr Erfüllung finden Mitarbeiter in ihrer Tätigkeit.

Dieses Buch inspiriert sowohl dazu, nach dem eigenen Zweck der Existenz zu forschen als auch aus unternehmerischer Sicht darüber nachzudenken, wie ein Unternehmen aufgebaut werden könnte, um besonders erfolgreich und profitabel zu sein. Ich kann mich aus persönlicher Erfahrung nur anschließen. Auch ich fühle mich einem Unternehmen wesentlich mehr verbunden, wenn die Unternehmenskultur sich mit meinen eigenen Lebensvorstellungen deckt und genügend Möglichkeiten zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und Talente gegeben sind. Dies wirkt sich positiv auf die Motivation und die Lebensqualität aus.

Und welche Erfahrungen hast Du gemacht? Kennst Du bereits Deinen ZDE? Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

2 Kommentare zu „Die Vereinbarung von Arbeit und persönlichen Zielen: The Big Five for Life“

  1. Ich habe das Buch seit 2 Jahren zu Hause liegen, es aber noch nicht gelesen. Danke für die Erinnerung! – insbesondere, weil mein Ziel, mit 40 nicht mehr auf ein Arbeitseinkommen angewiesen zu sein, beständig näher rückt – und ich mich vielleicht noch einmal neu erfinden kann, bevor ich mich aus dem Berufsleben zurückziehe…

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