Bessere Finanzentscheidungen durch Stoizismus: Niclas Lahmer

Der Autor von Rebellion im Hamsterrad hat ein neues Buch veröffentlicht: „Der finanzielle Stoiker. Wie sie zu dauerhaftem Erfolg, finanzieller Unabhängigkeit und echter Seelenruhe finden.“ Mit der über 2000 Jahre alten Philosophie der Stoa möchte Niclas Lahmer einen Ausweg aus der hedonistischen Tretmühle von maßlosem Konsum, steigenden Lebenshaltungskosten, politischem, wirtschaftlichem und finanziellem Druck aufzeigen. Auch möchte er einen Weg in die finanzielle Unabhängigkeit und Freiheit präsentieren. Ein paar seiner Gedanken skizziere ich im folgenden Beitrag.

„Wir Menschen sind eine maßlose Spezies, die ihren Trieben schneller verfällt, als Sie das Wort Eigenkapitalrendite sagen können.“

Lahmer, Stoiker, 17

1. Das gute Leben

In der Einleitung definiert der Autor sein Verständnis eines finanziellen Stoikers, da es sich bei dieser Wortkombination um einen Neologismus (= Wortschöpfung) handelt, der in der Literatur so nicht vorkommt. Lahmer möchte die Ideen der stoischen Philosophie über wirtschaftlichen und monetären Erfolg dazu nutzen, eine Gegenbewegung „zur dominanten Quacksalberei der sozialen und öffentlichen Medien zum Thema Vermögensaufbau und Wohlstand“ (25) zu schaffen. Der Stoizismus bietet nämlich auch heute noch Antworten auf wichtige Lebensfragen und er lehrt uns, „was ein gutes Leben ausmacht und wie wir es führen können“ (27 f.) Das oberste Ziel eines Stoikers lautet Eudämonie (so etwas wie Werteglück). Dieses Ziel erreicht er durch „das Führen eines erfüllten, tugendhaften Lebens. (28)“ Leitend sind hier die Kardinaltugenden Mäßigung, Gerechtigkeit, Mut und Weisheit.

„Bedenken Sie: Bauer und König landen am Ende in der gleichen Kiste. Ist denn das bloße Füllen des Kontostandes, das Aufbauen eines Vermögens und das Zelebrieren von Luxus wirklich der Inbegriff eines erfolgreichen Lebens, so wie es in unserer heutigen Welt vermarktet wird?“

Lahmer, Stoiker, 25

Der Fokus auf ein tugendhaftes Leben, das von Prinzipien geprägt ist, ist verantwortlich dafür, dass sich Erfolg als Nebeneffekt einstellt und das auch finanziell. Wer sich darauf besinnt, ein besserer Mensch zu werden und ständig an sich arbeitet, wird auch finanziell kluge Entscheidungen treffen. Denn die Tugend trägt zum inneren Frieden bei, steigert die Zufriedenheit und spendet Kraft in schlechten Zeiten.

„Vergessen wir das Pseudo-Gerede über finanzielle Freiheit und Wohlstand und konzentrieren uns stattdessen auf universelle und zeitlose Prinzipien, die ein Garant für ein erfülltes, reiches und gesundes Leben sind. Wir müssen uns nicht dem Ziel verpflichten, das maximale Kapital anzuhäufen, sondern das Beste aus uns selbst zu machen.“

Lahmer, Stoiker, 32

Aus Sicht von Lahmer ist die Tugend der Gelassenheit ein wichtiger Schlüssel für finanziellen Erfolg. Um den eigenen Blick zu schärfen, empfiehlt er, sich vorzustellen, dass man tot sei, um das eigene Leben von außen aus einer Vogelperspektive zu betrachten. Im Zentrum steht die Frage: „Hat es sich gelohnt? (36)“

„Hat es sich gelohnt, so viele Überstunden zu machen, so viel Stress zu haben, die langen Geschäftsreisen, die stundenlangen Meetings und das Streben nach besseren Autos, teureren Uhren, größeren Häusern, ansehnlicher Kleidung und komfortabler Möblierung? Hat sich all das gelohnt, um den Erwartungen Dritter zu entsprechen, dem Ziel eines vermeintlichen sozialen Status hinterherzujagen?“

Lahmer, Stoiker, 36

Warum diese Frage? Weil der Tod aus Sicht des Autors der größte Motivator im Leben ist. Er ist die Konstante, an der wir uns orientieren können, weil er mit Gewissheit eines Tages kommen wird. Der materielle Besitz, Abschlüsse, philanthropische Bemühungen, Vermögenswerte, usw. – all das spielt dann keine Rolle mehr. Die Akzeptanz dieses Umstandes führt dazu, dass das Leben viel mehr geschätzt wird und der Fokus auf das Wesentliche geschärft wird. Das endgültige Ausscheiden aus dem Leben ist allerdings nicht der einzige Tod, den ein Mensch erleiden kann.

„Das Schlimmste am Tod ist, dass es mehrere Tode gibt, die wir sterben können. Man denke nur an all die Menschen, die tagtäglich durch die Flure der Unternehmen schlafwandeln, deren Seelen längst tot sind, deren Körper aber weiter vegetieren und es schaffen, noch 30 Jahre zu arbeiten. Dann folgen einige Jahre der Ruhe, der Rente und des Wartens auf den letzten Tod. […] In ihren Augen sieht man das Licht, aber niemand ist mehr da.“

Lahmer, Stoiker, 39

Die Akzeptanz des Todes hilft uns dem Leben gegenüber – so Lahmer – eine gewisse Art von Gleichgültigkeit zu entwickeln, die man als Gelassenheit bezeichnen kann. Status, die Meinung anderer, Kritik, Lob, Wünsche und Befürchtungen spielen dann keine Rolle mehr. Stattdessen stellt sich die Chance auf neue Erkenntnisse ein. Auch bekommen wir die Möglichkeit, unser Leben in eine neue, positive Richtung zu lenken, und hören auf, unsere Energie auf Dinge zu verschwenden, die wir nicht ändern können.

2. Wohlstand = Fleiß + Disziplin

Im weiteren Verlauf seines Buches erörtert der Autor, dass Investieren „Disziplin und einen verantwortungsvollen Umgang mit finanziellen Ressourcen (53)“ erfordert. Wer Geld nicht für sofortigen Konsum verwendet, sondern langfristig plant und spart, fördert seine finanzielle Stabilität und Unabhängigkeit.

„Wer fleißig arbeitet, wird mit großer Wahrscheinlichkeit immer Geld verdienen. Wer sparsam lebt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch immer genügend Geldreserven haben. Wer maßvoll isst, wird mit großer Wahrscheinlichkeit keine Probleme mit Übergewicht oder Diabetes haben.“

Lahmer, Stoiker, 52

Beim Investieren geht es um rationale Entscheidungen. Viele Menschen lassen sich jedoch von ihren Emotionen leiten und haben Schwierigkeiten, ihre Impulse zu zügeln. Insbesondere in Zeiten von Marktschwankungen kann irrationales Handeln gefördert werden. Auch hier erweisen sich Prinzipien der stoischen Philosophie als hilfreich. Welche das konkret sind, führt der Autor in der zweiten Hälfte seines Buches ausführlich aus. Um die eigene Tüchtigkeit zu kultivieren, gelten folgende Regeln (121):

1. Lassen Sie sich nicht ablenken.

2.  Arbeiten Sie tüchtig an dem, was Sie kontrollieren können.

3. Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Rolle.

„Machtstreben und Habgier waren den Stoikern fremd, weil diese Gefühle und Wünsche nicht tugendhaft waren. Stattdessen betrachteten die Stoiker den Fleiß als Ausdruck der Tugend. In der stoischen Philosophie wird Fleiß […] als eine Form der kontinuierlichen Anstrengung und Sorgfalt gesehen, die zur Ausübung der Tugend notwendig ist.“

Lahmer, Stoiker, 121

Bei der Ausübung von Tätigkeiten geht es um den Nutzen für andere. Wer es schafft, den Sinn und den Nutzen in der eigenen Tätigkeit zu erkennen, wird auch motivierter und überzeugter von der eigenen Arbeit sein. Wer seine Rolle in der Gesellschaft erkennt, leistet keinen Dienst nach Vorschrift, sondern bemüht sich, „ein nützliches Element im großen Spiel der Welt zu werden. (123)“

„Disziplin muss, wie alle Tugenden, wie ein Muskel trainiert werden. Je öfter man es tut, desto disziplinierter wird man. Wenn Sie sich von den Ablenkungen Ihres Lebens befreien, den Widrigkeiten trotzen und sich jeden Tag diszipliniert Ihren Aufgaben widmen, werden Sie die Tugend der Tüchtigkeit erreichen und in Ihrem Leben Unglaubliches leisten. Für sich selbst, für andere und für die gesamte Gemeinschaft.“

Lahmer, Stoiker, 142

3. Fazit

In seinem Buch „Der finanzielle Stoiker. Wie sie zu dauerhaftem Erfolg, finanzieller Unabhängigkeit und echter Seelenruhe finden“ zeigt Niclas Lahmer anhand der Lehren der stoischen Philosophie Wege auf, wie wir mit den Herausforderungen unserer Zeit umgehen können. Dazu gehört auch die Abkehr von der YOLO-Gesellschaft (you only live once = du lebst nur einmal) und ihrer hedonistischen Tretmühle, die auf kurzfristige Befriedigung aus ist. Die stoischen Kardinaltugenden weisen den Weg in ein besseres Leben und zeigen auch, wie man bessere finanzielle Entscheidungen trifft. Wer sich also gerne mit der stoischen Philosophie und dem Thema Investieren befasst, für den ist dieses Buch sicher eine Bereicherung.

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