Raus aus dem Hamsterrad

Es gibt Finanzbücher, die sich gut als Schlaftabletten eignen. Wiederum andere sind so anregend, dass die Lektüre Freude bereitet. Wenn auch noch eine Prise Sarkasmus hinzukommt, macht es umso mehr Spaß das Buch zu lesen. So geschehen bei Niclas Lahmer und seinem Werk „Rebellion im Hamsterrad. Wie Sie Ihre Routine endlich gegen mehr Sinn, Freiheit und Geld tauschen“. Bei keinem Buch habe ich so viel gelacht und gleichzeitig gelernt.

Das Thema des Buches ist hingegen ernst, denn die Werte Freiheit, Unabhängigkeit und ein selbstbestimmtes Leben sind ein hohes Gut. Um finanzielle Freiheit zu erreichen, braucht es zu Anfang einen Perspektivenwechsel. Dazu möchte der Autor anregen und ein paar seiner Gedanken stelle ich Dir in diesem Beitrag vor.

„Das Konzept der Arbeit und des Geldes prägt unser Sein und knechtet uns von Beginn unserer Kindheit bis ins hohe Alter.“

Niclas Lahmer, Rebellion im Hamsterrad, 14

1. Die wahre Knechtschaft

Das Hamsterrad ist dem Autor zufolge ein Konstrukt, in dem der Einzelne dem Geld und/oder dem Erfolg nachjagt und dabei eine Sinnlosigkeit und Ohnmacht empfindet. Im ständigen Kreislauf von Arbeit, Geld verdienen, Rechnungen zahlen, Reisen und Konsumieren strampelt sich der Hamster, bis er mindestens 65 ist im Hamsterrad ab und blickt wehmütig auf sein Leben zurück, wenn er denn die wohlverdiente Rente überhaupt erreicht. Das echte Problem ist oft noch nicht mal der Job, in dem viele verharren und der ihnen keine Freude bereitet und auch nicht der fehlende Reichtum, sondern „die Offenbarung der Sinnlosigkeit der eigenen Lebenszeit. (18)“ Wer seine echten Ziele nicht kennt, bleibt gefangen. Und das ist das Gegenteil von Freiheit.

Echte Freiheit erreicht derjenige, der die eigenen Glaubenssätze hinterfragt, um zuallererst der Knechtschaft des Geistes zu entgehen. Erst im zweiten Schritt geht es um die Rebellion gegen das Hamsterrad. Um diese zu bewerkstelligen, ist Geld notwendig, denn diese Ressource eröffnet viele Möglichkeiten. Wer diese wertvolle Ressource allerdings zum Fenster hinausschmeißt für Konsum, landet wieder in der Sklaverei.

„Die Knechtschaft ist die gleiche. Sie trägt jetzt nur ein Mantel aus Kaschmir. Für das ganze Geld muss nun die eigene Lebenszeit herhalten. Denn ohne den Einsatz der Lebenszeit in einem Job, mit dem der ganze Zirkus finanziert werden muss, kann die Kreditkarte nicht glühen.“

Niclas Lahmer, Rebellion im Hamsterrad, 23

Eine kluge Verwaltung des Geldes hilft hingegen, Freiheit zu erreichen. Auf dem Weg dahin stellen sich einige Hindernisse ein wie der Vergleich mit anderen oder Zeitfresser. Umso wichtiger ist es, „unnötige Dinge, Prozesse, Menschen, Vergleiche und Zeitfresser (37)“ loszulassen. So bleibt mehr Zeit, um sich auf das zu besinnen, was wirklich wichtig ist.

2. Vier Hamster und der Rebell

Das Hamsterquartett von Niclas Lahmer umfasst vier Arten von Hamstern, die auf unterschiedliche Art im Hamsterrad strampeln. Manche sind politisch motiviert und andere durch negativ geprägte Glaubenssätze über Geld oder bestimmte Verhaltensweisen, die über die Jahre entstanden sind.

  1. Der Happy Hamster: Er lebt in einer schönen Blase und weiß entweder nicht um die Existenz eines Hamsterrads oder hat sich damit abgefunden. Veränderungen mag er gar nicht. Dafür passt er sich vorbildlich an Vorschriften an, arbeitet brav von 9 to 5, finanziert über viele Jahre hinweg den Traum von Eigenheim und hält das für seine Altersvorsorge.
  2. Der Angry Hamster: Er erkennt das Hamsterrad ebenfalls nicht, beklagt sich aber im Gegensatz zum Happy Hamster über alles, was sein Leben beschwerlich macht. Die Schuld gibt er stets den anderen. Sein Leben verbessern, daran denkt er überhaupt nicht. Wütend sein und sich beschweren ist schließlich einfacher. Lösungen finden, das ist ihm fremd.
  3. Der Boss Hamster: Er weiß Bescheid über das Hamsterrad und findet das unerträglich. Am liebsten möchte er ausbrechen und das versucht er mithilfe von Erfolg. Der Boss Hamster glaubt, er bräuchte nur genügend Geld, um der Sinnlosigkeit seines Lebens zu entfliehen. Gleichzeitig hat er aber den Anspruch, nur das Schönste und Beste vom Leben zu bekommen. Schein und Sein treten an die Stelle von Sinn und Freiheit. Scheitert sein Unterfangen, so wird aus dem Boss Hamster schnell ein Angry Hamster.
  4. Der Genosse Hamster: Auch er erkennt das Hamsterrad und findet das gar nicht so schlecht. Doch lehnt er sich gegen den Kapitalismus auf, der seiner Meinung nach im Hintergrund des Systems steht. Dabei macht er natürlich den Boss Hamster für die Misere verantwortlich. Am liebsten möchte er diesem seinen Besitz und Erfolg abträglich machen, um sich anschließend selbst damit zu schmücken. „Seine Mittel dazu sind die Enteignung, Reichensteuer und die Illusion.“ Der Genosse Hamster träumt von einem eigenen Hamsterrad. In diesem dürfen all die anderen Hamster leben und das bitte in Knechtschaft.
  5. Der Rebell: Er verfolgt das Ziel, das Hamsterrad zu verlassen. Er ist ein Individuum, das einen anderen Weg einschlägt. Um sein Ziel zu erreichen, weiß er nicht nur um die Wichtigkeit der Ressource Geld, sondern auch um die hohe Relevanz der Reflexion von eigenen Gedanken und Meinungen. Ein Hamster kann nur dann zum Rebellen werden, wenn er eine Metamorphose durchläuft. Dafür bildet er sich stetig und investiert in Vermögenswerte statt in Konsum.

„Rebellen denken, dass Geld etwas Wunderbares ist, um Sicherheit, Wohlstand, Freude und Liebe zu teilen. Sie nutzen Geld, um eine Zukunft aufzubauen, die ihnen und anderen Menschen hilft und dient.“

Niclas Lahmer, Rebellion im Hamsterrad, 59

Fehlgeleitete Glaubenssätze sowie der Mangel an (finanzieller) Bildung führen Niclas Lahmer zufolge dazu, dass die Mehrheit im Hamsterrad verbleibt. Die eigene Einstellung entscheidet darüber, ob jemand den Ausstieg schafft oder nicht. Dabei unterstützen echte Rebellen andere als Vorbild. 

Negative Glaubenssätze stehen einem insofern im Weg, als das einfach fremde Meinungen unterbewusst übernommen werden, ohne diese zu hinterfragen. Wer ständig zu hören bekommt, dass er etwas nicht kann, glaubt das irgendwann. Wer sich der Illusion der Sicherheit hingibt, schränkt sich in seinen Möglichkeiten ein. Wer seine wertvolle Lebenszeit mit sozialen Medien verplempert, verzichtet auf bedeutsame Erfahrungen im wahren Leben. Wer sich der Entscheidungsträgheit hingibt, bezahlt Opportunitätskosten. Denn auch nicht getroffene Entscheidungen führen zu Konsequenzen. 

Die Anhäufung von materiellen Dingen ist auch nicht die Lösung. Denn diese kostet viel Lebenszeit. Schließlich muss der ganze Kram verwaltet, aufgeräumt oder eingeräumt werden. Und Erfolg? Das ist ein Hamsterrad für sich. Was also ist die Lösung? Oder um es mit den Worten des Autors zu sagen, „unsere Glücksformel“?

„Wir spüren doch schon längst, dass Arbeitsmomente nur selten wirkliche Glücksmomente sind. Wir spüren, dass die wenigsten Konsumgüter auch Glücksgüter sind. […] Denn wenn wir ehrlich zu uns sind, finden wir Glück in den Momenten, die uns total überraschen und uns aus den Angeln heben. Momente der Freiheit, Momente des Durchatmens, Momente der Einsamkeit oder Momente des Ausbruchs.“ 

Niclas Lahmer, Rebellion im Hamsterrad, 138 f.

3. Wie gelingt der Ausbruch?

Freiheit beginnt im Kopf und sie „beginnt mit Glück (142)“. Was Glück für einen selbst bedeutet, das ist subjektiv. Um herauszufinden, was einen tatsächlich glücklich macht, empfiehlt der Autor, sich an vergangene Glücksmomente zu erinnern. Diese helfen dabei zu entscheiden, wie das eigene Leben aussehen soll. Ein Ausbruch aus dem Hamsterrad kann nur gelingen, wenn man die ausgetretenen Pfade verlässt und sich spielerisch auf die Reise begibt, einen besseren Weg für sich selbst zu finden. Innerhalb der Komfortzone bleiben, ist für den Rebellen keine Option.

„Rebellion wird oft falsch verstanden. Rebellion bedeutet nicht, als 16-jähriges Mädchen eine Bühne zu betreten und laut zu rufen, dass der Klimawandel gefälligst gestoppt werden muss. […] Das ist dämlich! Wahre Rebellen demonstrieren nicht nur. Sie fassen das Problem tatsächlich an.“ 

Niclas Lahmer, Rebellion im Hamsterrad, 153

Es geht also darum zu handeln, statt bloß zu reden. Es geht auch um Verantwortung. Wer zu allem „Ja“ sagt, nur weil er das in der Schule oder später am Arbeitsplatz so gelernt hat, um bloß nicht aufzufallen oder sozial geächtet zu werden, bleibt ein Gefangener des Systems. Die Empfehlung des Autos lautet also: Werde zum Neinsager. Warum ist das seiner Meinung nach wichtig? Ganz einfach. „Wenn wir immer nur nicken, werden wir niemals spielen und uns erproben. (157)“ Der spielerische Weg eröffnet jedoch die Möglichkeit, Neues zu entdecken und Dinge im Leben auszuprobieren. Wer das Leben als Abenteuer betrachtet, findet früher oder später auch seinen Weg zum Glück.

Eine weitere Empfehlung von Niclas Lahmer lautet: Hinterfrage Deine Lebenszeit bzw. prüfe, wofür Du diese eintauschst.

„Das Tauschgeschäft, das die Menschen mit ihrem Leben eingehen, knechtet sie. Sie tauschen ihre kostbare Lebenszeit für Dinge ein, die sie weder glücklich noch frei machen.“ 

Niclas Lahmer, Rebellion im Hamsterrad, 181

Diese Empfehlung halte ich für eine der wichtigsten, denn unsere Lebenszeit ist das wertvollste Gut, das wir besitzen. Sie ist endlich und keiner von uns weiß, wann sie endet. Deshalb ist die alles entscheidende Frage: Tauschst Du Deine Zeit sinnvoll ein? 

Wer seine Zeit für einen Stundenlohn verkauft, macht ein schlechtes Tauschgeschäft. Der tatsächliche Stundenlohn berechnet sich nämlich nicht anhand der im Vertrag festgehaltenen Arbeitsstunden, sondern der Arbeitsstunden und der freien Stunden über die gesamte Woche hinweg, um den wahren Wochenlohn zu berechnen. Schließlich laufen die Lebenshaltungskosten 24 Stunden am Tag weiter, auch in der Zeit, in der nicht gearbeitet wird. Um dieser Falle zu entfliehen, ist es von größter Relevanz, sich ein System aus Vermögenswerten aufzubauen, das unabhängig vom Stundenlohn ein Einkommen erwirtschaftet. Hierfür ist Fachwissen erforderlich. 

„Es bedarf des Fachwissens über essenzielle Themen, die in einem freien Leben eine Rolle spielen. Dazu gehört der Umgang mit den eigenen Ressourcen. Dies ist wiederum neben dem Einsatz der eigenen Lebenszeit auch der Einsatz des eigenen Geldes. Um der Knechtschaft des Kapitals zu entrinnen, muss man sich mit Geld auskennen.“ 

Niclas Lahmer, Rebellion im Hamsterrad, 242

Zu den grundlegenden Kenntnissen gehört dem Autor zufolge das Fachwissen über den Unterschied zwischen Bargeld/Giralgeld und echten Vermögenswerten. Wichtig ist auch, dass der Erwerb von Vermögenswerten zum richtigen Kaufzeitpunkt (= im Tiefpunkt) geschieht, denn „Geld wird beim Kaufen und nicht beim Verkaufen verdient. (246)“ Darüber hinaus ist das eigene Kaufverhalten entscheidend, denn wer sein Geld für Konsum (= Verbindlichkeiten) statt für Vermögenswerte ausgibt, baut kein Kapital auf und verfügt folglich nicht über die notwendigen liquiden Mittel, um aus dem Hamsterrad auszusteigen. Vor allem Konsumkredite führen in die Knechtschaft. Auch der Abschluss von schlechten Versicherungsprodukten wirkt sich auf die finanzielle Lage negativ aus.

„Die […] Immobilie, die vermietet wird, wäre solch ein Vermögenswert mit Cashflow. Die Aktie, die eine Dividende ausschüttet, wäre ein anderes Beispiel. Rebellen lieben daher Vermögenswerte, die ihnen einen Cashflow zahlen. So arbeitet das Geld für den Rebellen […].“ 

Niclas Lahmer, Rebellion im Hamsterrad, 252

4. Fazit

Das Buch von Niclas Lahmer spricht einige unbequeme Wahrheiten aus. Ob diese nun in schöne Sätze verpackt oder provokant dem Leser an den Kopf geworfen werden, sie regen zum Nachdenken an, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen. Die Wahrheit bleibt gleich: Wer seine Lebenszeit gegen Geld eintauscht und diese stundenweise verkauft, wird bis zum Ende seines Lebens ein Gefangener des Systems sein. Wer frei sein und das Leben nach eigenen Vorstellungen gestalten möchte, braucht Vermögenswerte, die einen Cashflow produzieren. 

Der Weg zur finanziellen Freiheit ist beschwerlich. Diese Wahrheit lässt sich ebenfalls nicht beschönigen. Deshalb erreichen auch nur die wenigsten echte finanzielle Freiheit. Die Reise beginnt mit dem Hinterfragen der eigenen Glaubenssätze sowie der gesellschaftlichen Zwänge, dem Hinterfragen des eigenen Konsumverhaltens, der Aneignung von (finanzieller) Bildung sowie dem langjährigen Aufbau von Vermögenswerten, die einen stetigen Cashflow sicherstellen. Werden die laufenden Lebenshaltungskosten gänzlich aus dem Cashflow gedeckt, wird die Erwerbsarbeit zur Option.

Ob jemand lieber im Hamsterrad verbleibt und es sich in der Komfortzone gemütlich macht oder aus dieser ausbricht, das ist eine Frage des Charakters. Deshalb geht es hier nicht darum, den moralischen Finger auf jemanden zu zeigen, nur weil derjenige ein anderes Lebenskonzept verfolgt. Stattdessen geht es darum, alternative Wege aufzuzeigen, damit jeder für sich selbst entscheiden kann, was ihn glücklich macht und mit Sinn erfüllt.

Und was denkt Du? Ist die finanzielle Freiheit ein erstrebenswertes Ziel und die Mühen wert oder ist das Hamsterrad doch die bessere Variante?

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert