Warum Reisen bilden

Nach einer längeren Pause geht es wieder weiter auf dem Blog. Ich war ein paar Wochen verreist und habe mir einen langersehnten Traum erfüllt, eine Rundreise durch Japan und Südkorea zu machen. Heute möchte ich rückblickend ein paar Eindrücke aufgreifen und das Ganze in den Kontext einordnen, warum Reisen bildet. In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf das Buch von Meike Winnemuth eingehen. Dieses ist mir zufällig in die Hände gefallen und heißt: „Das große Los. Wie ich bei Günther Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr.“ Die Autorin und Journalistin war ein Jahr unterwegs und hat zwölf Länder auf ihrer Reise besucht. Dabei sind viele Eindrücke entstanden, es gab auch Momente der Selbsterkenntnis und der Persönlichkeitsentwicklung. Ich finde, ein paar Wochen im Ausland zu verbringen, öffnet einem bereits die Augen. Es ist also gar nicht notwendig, ein ganzes Jahr unterwegs zu sein. 

„Glück ist ein Gefühl von Möglichkeit. Sich ein anderes Leben vorstellen zu können, in einer anderen Stadt, mit einem anderen Beruf. Heißt ja nicht, dass man’s macht. Aber die reine Möglichkeit…“

Meike Winnemuth, Los, 49 

1. Komfortzone verlassen

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich bin gerne zu Hause. Ein bequemes Bett, eine große Küche, ein Balkon usw. Es ist alles da, um sich wohlzufühlen. Vor jeder Reise frage ich mich erneut, warum mache ich das? Denn Reisen, vor allem Fernreisen ist anstrengend. Angefangen vom Kofferpacken (wer mich kennt, weiß, dass ich das sehr, sehr ungern mache, noch schlimmer ist das Kofferauspacken, aber das ist eine andere Geschichte ;-)). Zunehmend ausufernde bürokratische Vorbereitungen, Anfahrt zum Flughafen, Auto parken, Einchecken und Warten. Dann stundenlanges Fliegen, nochmals bürokratische Formalitäten (je nach Einreiseland wieder mehrere Stunden Wartezeit), gefolgt vom Transfer, Einchecken im Hotel, in der Mietwohnung oder im Mietshaus und endlich Luftholen. Klingt nicht wirklich nach Spaß. Also wozu der ganze Aufwand?

Ganz einfach: Reisen bedeutet seine Komfortzone zu verlassen und sich ins Unbekannte zu begeben. Es ist wie ein kleiner Ausbruch aus dem Alltag, den gewohnten Strukturen und dem gewohnten Umfeld. Kurz gesagt: ein Abenteuer.

Gerade Länder in Asien haben eine andere Kultur, eine andere Sprache und anderes Essen. Da fragt man sich durchaus, ob man zurechtkommt. Bei der aktuellen Reise habe ich das erste Mal aus den genannten Gründen eine Gruppenreise gemacht und mich einfach anderen Reisebegeisterten angeschlossen sowie einer Reiseleitung, die sich um alles kümmert. Nichtsdestotrotz die Aufregung war groß. Die Belohnung diesen Schritt zu gehen, umso größer. Was ich gesehen habe, wird in Erinnerung bleiben und das ist am Schluss auch das, was vom Leben übrig bleibt, wenn es auf das Ende zugeht: Erinnerungen.

„Ich stehe irgendwo auf diesem Planeten, und alles ist gut. Ich höre die Vögel singen und die Bäume rauschen, und alles ist genau richtig so. Ich bin, glaube ich, zum ersten Mal auf dieser Reise wirklich ganz bei mir. Endlich angekommen: ich, jetzt, hier. Kein Nachdenken über das Bevorstehende oder das gerade Passierte, sondern einfach nur Jetztjetztjetzt.“

Meike Winnemuth, Los, 80

2. Lebe den Moment

Einfach da sein im Moment, gerade in der westlichen Gesellschaft ist das gar nicht so einfach. Das Leben ist oft geprägt von Hektik, Stress und der Beschäftigung mit der Vergangenheit oder der Zukunft. Doch den Moment genießen? Können wir das noch?

Ich finde auf Reisen sind alle Sinne viel geschärfter und man nimmt viel mehr wahr. Auch ist es viel einfacher, im Moment zu leben, weil so viele neue Eindrücke auf einen einprasseln. Dies können auch ganz kleine Dinge sein wie eine schön verzierte Tür, eine Seitengasse, Pralinen im Schaufenster, eine neue Eissorte, ein unerwartetes Feuerwerk usw. 

Vieles ist neu. Das erfordert Konzentration. Es ist keine Zeit zum Abschweifen da, weder in die Vergangenheit noch in die Zukunft. Man ist einfach im Jetzt und genießt alles um sich herum. Sogar Unannehmlichkeiten sind leichter zu ertragen, weil man sich bewusst ist, dass dieser Moment vorbeigehen wird.

„Man darf sein Leben nicht damit verschwenden, Erwartungen zu erfüllen. Nicht mal die eigenen. Es ist erstaunlich, wie wenig man wirklich muss, wenn man mal ernsthaft darüber nachdenkt.“

Meike Winnemuth, Los, 118

3. Erkenne Dich selbst

Γνῶθι σεαυτόν: So lautet die Inschrift am Apollotempel von Delphi. Übersetzt bedeutet das soviel wie „erkenne dich selbst, erkenne, was du bist.“ Wo geht das besser als in einer fremden Umgebung? Zu Hause in der gewohnten Umgebung und den gewohnten Strukturen ist das wesentlich schwieriger. Befreit von dem Ballast an Aufgaben, Verpflichtungen, der Arbeit und Mitmenschen, die Aufmerksamkeit wollen, bleibt mehr Zeit, um sich mit den wichtigen Fragen des Lebens zu beschäftigen. Bin ich zufrieden? Möchte ich etwas verändern? Was macht mich glücklich? Sind die Ziele, die ich mir gesetzt habe, noch aktuell oder ist es Zeit für neue? Lebe ich mein Leben tatsächlich nach meinen Vorstellungen? Ich könnte die Liste noch lange fortsetzen, doch dürfte die Richtung klar sein. 

Das Wegsein verändert einen. Es räumt auf eine gewisse Weise auf im Leben und hilft dabei, sich innerlich zu sortieren. Auch Meike Winnemuth kommt in ihrem Buch zu diesem Fazit. Ich sehe das ähnlich. Ob am Strand oder in einer Stadt, der Ausbruch in die Ferne wirkt wie ein Spiegel. Man kommt verändert zurück. Die Veränderung ist vielleicht ganz klein und noch nicht wirklich sichtbar, doch mit der Zeit zeigt sie ihre Wirkung. 

Der Besuch von fremden Orten zeigt auch neue Möglichkeiten auf. Vielleicht weckt eine Reise die Lust darauf, in ein fremdes Land umzuziehen. Vielleicht auch darauf, nur ein paar Monate im Ausland zu verbringen und die restliche Zeit in Deutschland. Es gibt viele Möglichkeiten. Diese zeigen sich jedoch nicht zu Hause innerhalb der Komfortzone. Oft entstehen auch viele kreative (Geschäfts-)Ideen auf Reisen. Die Veränderung der Umgebung verändert auch den eigenen Blickwinkel.

„Hinfahren, hingucken, mit Leuten reden. Es gibt wirklich keinen anderen Weg, sich ein Bild von der Welt zu machen.“

Meike Winnemuth, Los, 244

4. Fazit

Die Welt ist groß und es gibt viel zu sehen. Wir leben heute in der glücklichen Zeit, uns durch den technischen Fortschritt so schnell zu bewegen, dass es möglich ist, ferne Länder zu bereisen. Am besten tut man das in jüngeren Jahren. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich mit 60+ noch beispielsweise 24-Stunden lange Flüge nach Australien unternehme. 

Aus Investorensicht lohnen sich meines Erachtens Ausgaben fürs Reisen, weil das etwas Einmaliges ist und einen im Leben weiterbringt. Sparen kann man an anderen Dingen. Es braucht noch nicht mal eine Fernreise zu sein. Es ist möglich, im Kleinen anzufangen und Nachbarorte zu besuchen, die man noch nicht kennt. Dann kann man den Radius etwas ausweiten und in eine größere Nachbarstadt fahren, um dort auf Erkundungsreise zu gehen. Lebt man wie ich an der Grenze zu Frankreich und Luxemburg, kann man auch schnell über die Grenze und dort einen schönen Tag verbringen. 

Und wie steht es um Dich? Verreist Du auch gerne? Was ist Dein Lieblingsland? Hast auch Du schon kreative Ideen von Deinen Reisen mitgebracht? Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

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