Wie denken Millionäre?

Reichtumsforschung ist ein relativ neues Gebiet, das in den letzten Jahren zunehmend an Interesse gewonnen hat. Im deutschen Sprachraum hat sich diesbezüglich insbesondere Dr. Dr. Rainer Zitelmann hervorgetan. Während jedoch in Deutschland gefühlt eine Neidkultur und eine negative Einstellung gegenüber Hoch-Vermögenden herrscht, werden in Amerika erfolgreiche Menschen gefeiert und als Vorbild herangezogen. Schließlich kann man Erfolg nur von jemandem lernen, der diesen auch erreicht hat.

Unabhängig davon, ob es sich um finanzielle, private, persönliche oder anderweitige Ziele handelt, ein Vorbild hilft als Orientierung. Ein Einblick in das Denken erfolgreicher Menschen ermöglicht zudem das Aufdecken eigener Verhaltensmuster und das Loslassen von alten Denk- und Lebensweisen.

T. Harv Eker ist ein US-amerikanischer Autor, Geschäftsmann und Motivationsredner, der verschiedene Theorien über Reichtum und Motivation aufgestellt hat. In seinem Buch „So denken Millionäre. Die Beziehung zwischen Ihrem Kopf und Ihrem Kontostand“ geht er finanziellen Verhaltensmustern auf den Grund und entwickelt eine Strategie für ein reiches und glückliches Leben. Insgesamt zählt T. Harv Eker 17 Millionärsgewohnheiten auf, in denen sich das Denken und Handeln reicher Menschen von dem armer Menschen oder der Mittelschicht unterscheidet. Ein paar davon möchte ich Dir in diesem Beitrag vorstellen.

„Geld, Reichtum, Gesundheit, Krankheit, Ihr Gewicht: Das sind alles Ergebnisse. Wir leben in einer Welt von Ursache und Wirkung.“

T. Harv Eker, So denken Millionäre, 27

1. Das finanzielle Verhaltensmuster erforschen

Wer finanziellen Erfolg anstrebt, ist aufgefordert, sich über seine Programmierung oder Konditionierung Klarheit zu verschaffen. Die eigenen Gewohnheiten, Glaubenssätze, Beziehungen und andere Faktoren haben Einfluss auf das eigene finanzielle Verhaltensmuster. Der Grund dafür, dass einige Menschen das Ziel Reichtum erreichen und viele andere nicht, liegt im „Millionärsdenken“: „Ihr finanzielles Verhaltensmuster besteht aus einer Kombination ihrer Gedanken, Gefühle und Handlungen im Bereich des Geldes. (32)“

Bei der Konditionierung spielen dem Autor zufolge insbesondere drei Dinge eine Rolle:

  1. Verbale Programmierung: Was haben Sie gehört, als Sie klein waren?
  2. Vorbilder: Was haben Sie gesehen, als Sie klein waren?
  3. Einzelne Vorfälle: Was haben Sie erfahren, als Sie klein waren?

Wer sich mit diesen Fragen beschäftigt, reflektiert nach und nach über die eigenen Glaubenssätze in Bezug auf Geld und Reichtum. Sind diese negativ behaftet, ist ein Mangel an Geld die logische Folge. Als Grund hierfür führt der Autor an, dass die Mehrzahl der Menschen Schwierigkeiten hat „das große Geld zu machen und dieses dann auch festzuhalten (23)“. Das bekannte Beispiel der Lotto-Gewinner zeigt, dass unabhängig von der Gewinnsumme, die meisten Lottogewinner das Geld wenige Jahre später verpassen, da sie nicht wissen, wie sie dieses für sich arbeiten lassen. Wer jedoch über die Fähigkeit verfügt, wie ein Millionär zu denken, wird Wohlstand aufbauen und diesen auch behalten. Um seine finanziellen Muster zu ändern, gibt es T. Harv Eker zufolge vier Schlüsselelemente der Veränderung:

  1. Bewusstsein
  2. Verständnis
  3. Dissoziation
  4. Rekonditionierung

Sich über den aktuellen Status quo bewusst zu werden, ist der erste Schritt. Wer Verständnis für die eigene Denkstruktur entwickelt, hat gleichzeitig die Wahl, ob er diese beibehalten oder sich von ihr trennen möchte. Die Rekonditionierung zielt darauf ab, positive Glaubenssätze in Bezug auf Geld und Reichtum zu entwickeln, um das eigene finanzielle Verhaltensmuster zu verändern.

In Bezug auf Vorbilder lautet die Empfehlung des Autors, sich vor allem die eigene Familie anzuschauen. Oft prägt der Geldumgang der Eltern oder Erziehungsberechtigten die eigenen finanziellen Verhaltensmuster. Die vier Schlüsselelemente sind auch in diesem Kontext anzuwenden, um ein anderes Verhaltensmuster zu entwickeln.

In Bezug auf einzelne Ereignisse geht es um Erfahrungen mit Geld, Reichtum und reichen Menschen in der Jugend. Auch hier können sich negative Glaubensmuster etablieren, die im Erwachsenenalter zu einer negativen Programmierung führen.

2. Leben selbst gestalten

Von den 17 Millionärsgewohnheiten von T. Harv Eker ist diese Gewohnheit die erste. Hierbei geht es um Verantwortung. Denn nur jemand, der die Verantwortung für das eigene Leben und seine Entscheidungen übernimmt, wird mit der Zeit ein (finanziell) erfolgreiches Leben führen. Das Gegenteil von Verantwortung ist die Opferrolle. Wer sich in die Opferhaltung begibt, erkennt dies insbesondere an drei Verhaltensmustern:

  1. Schuldzuweisung
  2. Rechtfertigungen
  3. Gejammer

Diese Verhaltensmuster sieht der Autor als hinderlich für die Entwicklung eines finanziell erfolgreichen Lebens. Wer anderen die Schuld für seine finanzielle Situation gibt, wird keine Veränderungen bewirken. Wer auf Rechtfertigungen zurückgreift und beispielsweise behauptet, dass Geld nicht wichtig sei, hat kein Geld. Und Gejammer? Das betrachtet T. Harv Eker als das schlimmste Übel. „Wenn Sie jammern, werden Sie zu einem wandelnden Magneten, der nur Negatives anzieht. (85)“ Wer also das Ziel hat, eines Tages Millionär zu werden, sollte sich mit den drei destruktiven Gewohnheiten befassen und sich darin üben, diese abzumildern.

3. Chancen erkennen

„Reiche Menschen sehen Chancen. Arme Menschen sehen Hindernisse.“ 

T. Harv Eker, So denken Millionäre, 114

Das Erkennen von Chancen ist die fünfte Millionärsgewohnheit, die der Autor vorstellt. Bei dieser Gewohnheit geht es um die grundsätzliche Sicht auf die Welt. Wer auf Grundlage von Angst Entscheidungen trifft oder sich nur auf Risiken fokussiert, denkt sich arm. Die bessere Alternative: Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Wer die Verantwortung für sein Leben übernimmt, entwickelt Selbstvertrauen und glaubt an den eigenen Erfolg. Und auch wenn etwas schiefgehen sollte, hilft das Selbstvertrauen dabei, andere Wege zum Ziel zu finden. Chancen erkennen und Handeln – das ist der Wegweiser. Risiken sind unvermeidbar, diese können jedoch kalkulierbar gestaltet werden. Genaue Recherchen und die Beschäftigung mit Fakten tragen dazu bei, bessere Entscheidungen zu treffen.

Ein weiterer wichtiger Grundsatz ist dem Autor zufolge, sich auf das zu konzentrieren, was man will. Wer überall Chancen sieht, erkennt auch Gelegenheiten zum Geldverdienen. Wer überall Hindernisse sieht, kommt nicht ins Handeln. Als Maßnahmen für künftige Millionäre empfiehlt T. Harv Eker bei dieser Gewohnheit drei Schritte:

  1. Einfach loslegen und geschäftlich aktiv werden.
  2. Sich in Optimismus üben, um Chancen statt Hindernisse zu erkennen.
  3. Sich auf das konzentrieren, was man bereist hat und eine Liste mit zehn Dingen erstellen, für die man dankbar ist.

4. Umgang mit positiven und erfolgreichen Menschen

Bei der siebten Millionärsgewohnheit steht die eigene Motivation im Vordergrund. Andere erfolgreiche Menschen sind ein gutes Vorbild. Sich mit ihnen zu umgeben, erschließt die Möglichkeit des Nacheiferns. Das Nachahmungsprinzip ist „einer der elementaren Wege, etwas zu lernen. (137)“ Wer sich hingegen mit negativen oder erfolglosen Menschen umgibt, wird auf dieses Niveau heruntergezogen. Die destruktive Energie, die sie ausstrahlen, verhindert die persönliche Weiterentwicklung.

Eine weitere Empfehlung lautet: Schädliche Situationen meiden. T. Harv Eker zählt hierzu unter anderem „Streit, Tratsch und hinter dem Rücken schlecht über jemanden reden. (142)“ Zu viel Fernsehen schadet seiner Meinung nach auch, wenn es sich um „intelligenzfreie“ Sendungen handelt.

Neben der eigenen Motivation geht es in diesem Kapitel auch um den eigenen Selbstwert. Wer sich selbst als wertvoll erachtet, erkennt, dass er genauso gut und erfolgreich sein kann, wie jeder Millionär. Diese Erkenntnis nimmt einem auch die Scheu vor reichen Menschen. Und dies wiederum führt zu Begegnungen und positiven Bekanntschaften.

5. Geld für sich arbeiten lassen

„Keine Frage, hart zu arbeiten ist wichtig, aber harte Arbeit allein wird Sie niemals reich machen.“

T. Harv Eker, So denken Millionäre, 220

Bei der 15. Millionärsgewohnheit stellt der Autor fest, dass die meisten Menschen mit der Konditionierung aufgewachsen sind, dass harte Arbeit etwas Positives sei. Dahingegen wissen nur die wenigsten, dass es von größter Relevanz ist, auch das eigene Geld hart für sich arbeiten zu lassen. Wer reich werden möchte, braucht ein Umdenken. Hier ist nicht harte Arbeit, sondern smarte Arbeit gefragt.

Natürlich arbeiten auch reiche Menschen hart, doch für eine begrenzte Zeit. Während dieser Zeit bauen sie Mechanismen auf, damit das eigene Geld für einen arbeitet und die eigene Arbeitskraft ersetzt. Auf diese Weise steigt auch ihr Reichtum an Freizeit, während Menschen, die sich arm denken, diesen Zustand nie erreichen.

„Denken Sie daran, Geld ist Energie. Die meisten Menschen investieren Arbeitsenergie und bekommen Geldenergie für ihre Mühen. Menschen, die finanziell frei sind, haben gelernt, wie sie ihre Investitionen an Arbeitsenergie durch andere Formen von Energie ersetzen können. Zu diesen anderen Formen von Energie gehören die Arbeit anderer Menschen, funktionierende Geschäftssysteme oder funktionierende Kapitalanlagen.“

T. Harv Eker, So denken Millionäre,  221

Im Grunde existieren dem Autor zufolge zwei primäre Quellen für passives Einkommen. Die eine Quelle ist Geld, das für einen arbeitet. Die andere Quelle umfasst Geschäfte, Firmen und Unternehmen, die für einen arbeiten. Auch hier gilt es, die eigene Konditionierung zu überprüfen. Wer innerlich der Programmierung folgt, dass er kein passives Einkommen verdient, wird auch kein passives Einkommen aufbauen. Zudem fehlt es der Mehrheit an Wissen, wie passives Einkommen entsteht.

Wer es schafft, seine Wissenslücken durch Bildung zu schließen, plant langfristig, investiert und behält Ausgaben im Blick. Die Aneignung von Wissen im Bereich der Kapitalanlagen und Investitionen schafft nämlich neue Chancen und Möglichkeiten. An dieser Stelle zeigt sich ein weiterer Unterschied zwischen der Art und Weise, wie reiche und arme Menschen denken.

„Reiche Menschen denken immer langfristig. Sie halten ihre Ausgaben für Vergnügungen im Gleichgewicht mit der Notwendigkeit in die zukünftige Freiheit zu investieren. Arme Menschen denken immer nur kurzfristig. Sie organisieren ihr Leben so, dass es immer nur um die sofortige Befriedigung geht.“

T. Harv Eker, So denken Millionäre, 225 f.

Das eigene Konsumverhalten ist bei dieser Millionärsgewohnheit richtungsweisend. Wer einfach nur Dinge kauft zur sofortigen Genussbefriedigung, versucht damit eine innere Unzufriedenheit zu kompensieren. Dieses finanzielle Verhaltensmuster hindert einen jedoch am Vermögensaufbau. Deshalb lautet auch hier die Empfehlung, sich mit dem eigenen finanziellen Verhaltensmuster zu beschäftigen.

6. Fazit

T. Harv Eker regt mit seinem Buch „So denken Millionäre. Die Beziehung zwischen Ihrem Kopf und Ihrem Kontostand“ zur Selbstreflexion an. Die Auseinandersetzung mit den eigenen finanziellen Verhaltensmustern ist richtungsweisend. Sie entscheidet über Erfolg und Misserfolg. Während der erste Teil des Buches genau dazu anregen will, präsentiert der Autor im zweiten und umfangreicheren Teil 17 Millionärsgewohnheiten. Zum Ende jedes Kapitels schlägt er Maßnahmen für künftige Millionäre vor und eine Deklaration. Letztere ist der letzte Schritt auf dem Weg zur Veränderung. Sie dient der Rekonditionierung und beinhaltet eine konkrete Botschaft an einen selbst.

Zusammengefasst präsentiert T. Harv Eker in dem Buch eine Ansammlung an Erkenntnissen und Erfahrungen, die auf seinem Programm „Millionaire Mind Intensive“ basieren. In diesem geht es um innere und äußere Gesetzmäßigkeiten, die wie ein Werkzeugkasten zu Geld und Erfolg führen sollen. Ob sie das tatsächlich tun, das bleibt ein Experiment, das jeder für sich selbst ausprobieren kann. Negative Nebenwirkungen beim Lesen habe ich jedenfalls nicht festgestellt ;)! Und was ist mit Dir? Kennst Du bereits Dein finanzielles Verhaltensmuster?

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