Bill Perkins alias William O. „Bill“ Perkins III ist ein US-amerikanischer Hedgefonds-Manager, Filmproduzent, Filmschauspieler, Autor und Pokerspieler. Mit seinem Buch „Lebe ein reiches Leben statt reich zu sterben. So machst du das Beste aus deinem Geld und deinem Leben“ verfolgt er das Ziel, einer grundlegenden Frage nachzugehen: „Wie kann man ein maximal erfülltes Leben führen und gleichzeitig die Verschwendung seiner Lebenszeit minimieren?“ Einige seiner Antworten möchte ich im folgenden Beitrag darstellen.
„Der nahende Tod rüttelt die Menschen auf, und je näher er kommt, desto wacher und bewusster werden wir. Wenn das Ende naht, fangen wir plötzlich an zu denken: Was zum Teufel mache ich eigentlich? Warum habe ich so lange gewartet? Bis dahin gehen die meisten von uns durchs Leben, als hätten wir alle Zeit der Welt.“
Perkins, Leben, 12 f.
1. Timing ist alles
Im ersten Kapitel des Buches behandelt der Autor das Thema: Maximierung von positiven Lebenserfahrungen. Im Fokus steht die Frage, welche Erlebnisse einen glücklich machen, um für diese dann entsprechend Geld auszugeben. Entscheidend ist dabei das Timing, denn um „die Chancen auf ein erfülltes Leben insgesamt zu erhöhen, ist es wichtig, jede Erfahrung im richtigen Alter zu machen. (16)“ Dabei müssen Erfahrungen nicht viel Geld kosten, viele sind sogar kostenlos.
Als Beispiele zählt Perkins unter anderem unvergessliche Reisen, Konzertkarten, ein Hobby oder einen unternehmerischen Traum auf. Welche Erfahrungen glücklich machen, ist individuell. Was die meisten Menschen allerdings gemeinsam haben ist, dass Geld für Erlebnisse auszugeben um ein Vielfaches glücklicher macht als Geld für Dinge auszugeben. Erfahrungen bringen etwas ein, das er als „Erinnerungsdividende“ bezeichnet. So wie die Dividenden in einem Aktiendepot summieren sich die Erfahrungen im Laufe der Zeit auf und bewirken ebenfalls einen Zinseszinseffekt.
„Wir alle bekommen nur eine einzige Gelegenheit, uns auf diesem Abenteuerspielplatz Leben auszudrucken. Lassen Sie uns darüber nachdenken, wie wir daraus das aufregendste, beglückendste und zufriedenstellendste Abenteuer machen können, dass Sie sich vorstellen können.“
Perkins, Leben, 31 f.
Welche Rolle spielt hier das Timing? Die Realität sieht so aus, dass sich der Gesundheitszustand mit dem Älterwerden verschlechtert. Es gibt Dinge, die man im Vergleich zu den späten Teenager- und Zwanzigerjahren nicht mehr so leicht umsetzen kann. Hierzu gehören verschiedene Arten von sportlichen Aktivitäten, Langstreckenreisen, usw. Der körperliche Abbau schreitet voran, ob man will oder nicht. Deshalb ist es besser, bestimmte Erfahrungen, die ein hohes Maß an Gesundheit erfordern, in jüngeren Jahren zu machen und diese nicht aufzuschieben auf irgendwann später.
Die wahren „goldenen Jahre“ – so bezeichnet das Perkins – liegen aufgrund der finanziellen Möglichkeiten in den mittleren Jahren, da die Menschen zwischen 35 und 50 „weder sehr jung noch sehr alt sind“ (156) und in dieser Phase meistens mehr verdienen als ihren Zwanzigern. Bei der Mehrheit ist das Hauptproblem in dieser Lebensphase, dass sie unter einer Zeitknappheit leiden, insbesondere wenn sie Kinder haben oder weil sie zu viel arbeiten oder beides. Die Erfüllung einer Erfahrung hängt grundsätzlich von drei Einzelfaktoren ab: Gesundheit, Geld und Freizeit. Dabei ist die Gesundheit der wichtigste Einzelfaktor.
„Tatsächlich ist Gesundheit viel wertvoller als Geld, denn kein Geld kann jemals eine sehr schlechte Gesundheit ausgleichen, wohingegen Menschen bei guter Gesundheit, aber mit wenig Geld immer noch viele wunderbare Erfahrungen machen können.“
Perkins, Leben, 157 f.
2. Gesundheit ist wertvoller als Geld
Die Möglichkeiten Erfahrungen zu sammeln, sind sowohl durch die Lebenszeit als auch durch die Gesundheit begrenzt. Deshalb stellt sich die Frage danach, wo man seine Prioritäten setzt. Zu viel verdienen und zu viel sparen ist nach Perkins eine Verschwendung. Natürlich weiß auch der Autor, dass die Erwartung mit einer Null auf dem Konto zu sterben, etwas unrealistisch ist. Das, worum es eigentlich geht, ist die Vermeidung einer Verschwendung von Lebensenergie. Viele arbeiten nämlich – wie er sagt – vielleicht umsonst und das auch nur, weil man „sich die Arbeit zur Gewohnheit gemacht“ hat und sich daraus eine „suchterzeugende Gewohnheit entwickelt hat und solche Gewohnheiten sind schwer zu brechen. (61)“
„Wenn man Stunde um Stunde seines Lebens damit verbringt, Geld zu verdienen, und dann stirbt, ohne das ganze Geld ausgegeben zu haben, dann hat man unnötig viele wertvolle Stunden seines Lebens verschwendet. Es gibt einfach keine Möglichkeit, diese Stunden zurückzubekommen.“
Perkins, Leben, 62 f.
Um eine Orientierung zu bekommen, hilft es die jährlichen Lebenshaltungskosten zu kalkulieren und eine ungefähre, realistische (statistische) Lebenserwartung festzulegen. Ähnlich wie das Lebensversicherungen kalkulieren. Hieraus lässt sich anschließend eine Sicherheitssumme berechnen, die als Sparziel definiert werden kann. Alles darüber hinaus, wäre Perkins zufolge eine Verschwendung an Lebensenergie. Dieses Geld sollte unter allen Umständen für schöne Erfahrungen ausgegeben werden. Auch ist es besser, proaktiv vorzugehen und in seine Gesundheit in jüngeren Jahren zu investieren, statt im höheren Alter viel Geld für wenig Nutzen auszugeben. Wer seinen Kindern etwas vererben möchte oder an Organisationen spenden möchte, macht dies am besten noch zu seinen Lebzeiten.
3. Bewusst planen – bewusst leben
Bewusst leben bedeutet – so Perkins – über Erfahrungen, die man machen möchte, konkret nachzudenken. Statt auf Autopilot durch das Leben zu reisen, möchte er dazu anregen, ganz genau zu überlegen, „worin Sie Ihre Zeit und Ihr Geld investieren und wann Sie diese Investitionen vornehmen. (53)“ Er schlägt deshalb vor, sich Zeitfenster für die Bucket-List zu setzen. Hierfür zeichnet man eine Zeitleiste des eigenen Lebens von jetzt bis zum Tod und teilt diese in Intervalle von fünf oder zehn Jahren ein. (184) Bei jedem Intervall setzt man sich Aktivitäten oder Ereignisse ins Zeitfenster und entscheidet auf diese Weise, wann man, welche Erfahrung machen möchte. Die Auseinandersetzung mit einer zeitlich strukturierten Bucket-List macht deutlich, dass bestimmte Erfahrungen an bestimmte Zeitabschnitte des Lebens gebunden sind.
„Um das Leben in vollen Zügen zu genießen, anstatt nur vor sich hin zu leben, müssen Sie aufhören, sich sinnlos treiben zu lassen. Steuern Sie Ihr Leben stattdessen aktiv so, wie Sie es sich wünschen.“
Perkins, Leben, 57
4. Fazit
Das Buch „Lebe ein reiches Leben statt reich zu sterben. So machst du das Beste aus deinem Geld und deinem Leben“ stellt die Leser vor eine unmögliche Aufgabe und ein lohnenswertes Ziel – so das Schlusswort von Bill Perkins. Dieses Fazit macht deutlich, dass hier der Weg das Ziel ist. Der Frage nachzugehen, wie es möglich ist, mit einer Null auf dem Konto zu sterben, konfrontiert einen mit dem eigenen Tod und mit der finanziellen Situation. Darüber nachzudenken führt automatisch zu einer bewussten Auseinandersetzung mit dem Status quo. Auch ist das Ziel lebenslange denkwürdige Erfahrungen zu machen ein lohnenswertes. Dazu gibt der Autor verschiedene Denkanstöße. Schließlich ist unsere Lebenszeit unser wertvollster Besitz. Wie wollen wir diese also verbringen?



