Bodo Schäfer ist bekannt für seine schlagkräftigen Buchtitel. Schließlich will ein Autor auf sein Buch aufmerksam machen und es auch verkaufen. Heute im Fokus: „Rente oder Wohlstand. Wer sich auf die Rente verlässt, wird niemals finanziell frei!“ Klingt provokant oder realistisch? Dem wollen wir gemeinsam auf den Grund gehen. Ich beziehe mich bei diesem Blogbeitrag auf die Ausgabe aus dem Jahr 2016.
„Sie haben keinen Anspruch auf eine bestimmte Rente. Ganz gleich, was die Rentenversicherung Ihnen schreibt oder die Politiker Ihnen erzählen.“
Schäfer, Rente, 35
1. Die Irrtümer der Moderne
Wer im Angestelltenverhältnis arbeitet, bekommt automatisch ab einem gewissen Zeitpunkt einen Rentenbescheid zugeschickt. Verkleidet in Bürokratendeutsch, das der Normalbürger nicht versteht, werden dort Zahlen präsentiert, die mit der Realität wenig zu tun haben. Irgendwelche Prognosen in die Zukunft und inflationäre Entwicklungen werden kalkuliert, ohne tatsächlich auf Fakten zu basieren. Bei vielen landet der Rentenbescheid in einem Ordner und gerät in Vergessenheit. Wenn der Zeitpunkt des Ruhestandes kurz bevorsteht, ist die Verwunderung groß, wie gering die gesetzliche Rente dann ausfällt. Wer nicht privat vorgesorgt hat, ist oft arm dran. Es ist also nicht verwunderlich, dass Bodo Schäfer in seinem Buch bereits im Vorwort eine provokante Voraussage trifft:
„Die Bevölkerung in Deutschland schrumpft. Als Folge erwarten Experten, dass jeder zweite Deutsche unter der Armutsgrenze leben wird. Es wird eine Zwei-Klassen-Gesellschaft geben: wohlhabende Privatiers und arme Rentner.“
Schäfer, Rente, 5
Klingt nicht gerade nach einer wünschenswerten Zukunft. Wenn es jedoch darauf hinausläuft, ziehe ich es vor, zu den Privatiers zu gehören. Der Weg dahin steht jedem offen. Wer seine Finanzen selbst in die Hand nimmt und auf renditestarke Anlagen setzt, schützt sich vor finanzieller Armut im Alter. Und das Wichtigste: Auf diese Weise macht man sich unabhängig, insbesondere vom Staat – da bin ich mit Bodo Schäfer einer Meinung. Dass nach vielen Jahren einer erzwungenen Einzahlung in das aktuelle Rentensystem eine Auszahlung erfolgt, ist sehr wahrscheinlich. Die Höhe wird allerdings aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen sehr gering ausfallen. Denn hier wird oft eins vergessen:
„Um ihnen [den Bürgern] etwas zu geben muss der Staat es ihnen vorher wegnehmen. Wobei in dem Umverteilungsprozess eine Menge Geld verloren geht: die Verwaltung, der Beamtenapparat und der Missbrauch fressen es auf.“
Schäfer, Rente, 60 f.
Auch das ist schon lange bekannt. Zu Recht hinterfragt der Autor an dieser Stelle diese Form von Abhängigkeit. Zum Zeitpunkt der Publikation im Jahr 2016 führt Schäfer an, dass fast 40 % der Bevölkerung hauptsächlich vom Staat leben und fast genauso viele noch mehr Sozialstaat fordern.
In Zeiten einer starken Wirtschaft sprudeln die Einnahmen. Doch wenn Rezession herrscht, Arbeitsplätze abgebaut werden, Unternehmen abwandern und unattraktive Rahmenbedingungen bestehen, braucht sich keiner zu wundern, dass die Rufe nach dem Sozialstaat größer werden. Ein grundlegendes Verständnis dafür, dass das Geld erst mal erwirtschaftet werden muss, bevor es an irgend jemanden verteilt wird, Fehlanzeige. Die Nachteile des aktuellen Rentensystems sehen nach Bodo Schäfer wie folgt aus (68 f.):
- Das Konstrukt verführt dazu, nicht für sich selbst zu sorgen. Das Rentensystem entmündigt. Es liegt die Verantwortung für einen der intimsten Bereiche unseres Lebens in andere Hände – in die des Staates.
- Das Umlageverfahren unterstellt, dass wir uns mit einem geregelten Minimum zufrieden geben sollten. Dadurch verlieren Menschen Mut, Selbstsicherheit und den Blick für Möglichkeiten. Anstatt zu wachsen, schrumpfen sie.
- Und schließlich suggeriert dieses System, finanzielle Sicherheit ließe sich erst dann erreichen, wenn man nicht mehr arbeitet. Also meist erst sehr spät im Leben. Was für ein Irrtum! […]
Es gibt nämlich eine Wahl. Sie lautet: Verantwortung übernehmen und für sich selbst einstehen. Auf diesem Weg wird ein Leben in Würde, insbesondere im Alter, möglich.
„Wer nicht finanziell frei ist, muss arbeiten, schon weil er auf das Geld angewiesen ist. Ganz anders verhält es sich, wenn Sie von Ihrem Geld leben können. Wenn Sie dies bereits während Ihres Berufslebens erreicht haben, können Sie es sich erlauben, das zu tun, was Sie wirklich gerne tun. Sie leben und arbeiten dann viel freier. Sie leben in Würde.“
Schäfer, Rente, 69
2. Sich reich denken
Diese Regel ist laut dem Autor die wichtigste überhaupt, denn von ihr sind alle anderen Schritte abhängig. Doch was bedeutet: „Denken Sie wie ein reicher Mensch! (117)“?
„Alles hat sein Ausgang und sein Ursprung in unserem Denken. Wenn wir uns unserer Gedanken wirklich bewusst werden, erkennen wir, warum unsere Welt so und nicht anders aussieht.“
Schäfer, Rente, 118
Um sein Denken zu verändern, schlägt der Autor folgende Schritte vor :
- Wir müssen zuerst die Verantwortung für unsere Situation annehmen.
- Dann sollten wir ehrlich feststellen, wo wir im Moment wirklich stehen.
- Nun müssen wir unsere Ziele ermitteln.
- Schließlich sollten wir lernen, so zu denken wie jemand, der diese Ziele bereits erreicht hat.
- Taten folgen automatisch unseren Gedanken.
- Wir lernen die richtigen Strategien und Erfolgssysteme.
- Wir erhalten die gewünschten Ergebnisse.
„Wer arm ist und weiterhin wie ein Armer denkt und handelt, der wird arm bleiben.“
Schäfer, Rente, 130
Diese Tatsache ist zugleich simpel und komplex. Das eigene Denken zu ändern, benötigt Zeit, Selbstreflexion und einen Willen zur Veränderung. In Bezug auf die Rente ist der Hauptunterschied zwischen der Denkweise armer Menschen, der Mittelschicht und der Reichen nach Bodo Schäfer folgendermaßen zu beschreiben:
Arme Menschen hoffen auf eine halbwegs gute Rente, sie verfügen bestenfalls über Halbwissen und sind dem Staat ausgeliefert. Die Mittelschicht denkt teilweise wie reiche und teilweise wie arme Menschen. Sie lässt sich von Berechnungen der Rentenversicherung nicht zu sehr beunruhigen und geht einen Mittelweg. Sie konzentriert sich darauf, die Rentenlücke zu schließen und bleibt deswegen hinter ihren Möglichkeiten zurück. Währenddessen machen sich die Reichen überhaupt keine Gedanken über die Altersrente, sondern tun alles dafür, um möglichst schnell finanziell frei zu werden. D. h. sie suchen Wege, um Geld, das sie erwirtschaften, für sich arbeiten zu lassen. Denn sie wissen:
„Nicht was wir verdienen, macht uns reich, sondern was wir behalten.“
Schäfer, Rente, 136
3. Die Gesetze der Geldvermehrung
Sparen ist also die Voraussetzung, um sich langfristig ein Leben im Wohlstand aufzubauen. Sparen allein reicht allerdings nicht aus, denn es geht ums kluge Investieren.
„Reichtum bedeutet, soviel Kapital zu besitzen, dass wir von den Zinsen leben können. Solange jemand noch für sein Geld arbeiten muss, ist er nicht reich. Wir haben nur zwei Möglichkeiten: Entweder sind wir eine Geldmaschine, oder wir haben eine Geldmaschine.“
Schäfer, Rente, 167
Zinsen, Dividenden oder andere Arten von Einnahmen sorgen für finanziellen Schutz. Die Renditen müssen alle monatlichen Mindestkosten abdecken, dann herrscht finanzielle Sicherheit – die Vorstufe der finanziellen Freiheit. Auf dem Weg dahin gilt es die Gesetze der Geldvermehrung anzuwenden. Hier geht Bodo Schäfer insbesondere auf den Zinseszinseffekt ein. Auch ist zu beachten, dass die Berechnung konkreter Zahlen (finanzielle Sicherheit, finanzielle Freiheit) erst die Zielerreichung möglich macht. Ohne Plan und Strategie zu handeln, verstößt gegen die Gesetze der Geldvermehrung und führt dazu, dass man sein Geld wieder verliert.
Ein weiterer Hebel ist – so der Autor – die Liebe zur Arbeit. Wer seine Arbeit liebt, möchte gar nicht aufhören zu arbeiten (hiervon ausgenommen sind natürlich gesundheitliche Probleme). Lebenslanges Arbeiten erhöht das Einkommen und damit auch den Wohlstand. Wobei bei dieser Einstellung nicht das Geld die primäre Motivation darstellt, sondern der „Spaß an der Tätigkeit und an den erzielten Ergebnissen (216).“ Menschen, die so denken, trennen „meist nicht zwischen Arbeit und Freizeit, da sie für jede Aktivität Begeisterung empfinden (216).“
„Die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung sieht dagegen Arbeit als ein notwendiges Übel und freut sich auf die arbeitsfreie Zeit, wie etwa Feierabend, Wochenenden und Urlaub.“
Schäfer, Rente, 167
Eine Altersgrenze gibt es in Wahrheit gar nicht. Es gibt aktuell ein vorgeschriebenes Renteneintrittsalter von der gesetzlichen Rentenversicherung. Wer 15 Jahre früher in seinen selbst definierten Ruhestand gehen möchte, kann dies tun. Genauso kann auch eine Person, die fit ist und Lust hat, noch mit 80 einer bezahlten Aufgabe nachgehen. Echte Limitierung findet nur im Kopf statt. Sinnvolle Arbeit in einem individuellen Maß stellt eine Bereicherung dar. Warum sollte man sich das also verbieten lassen von irgendeiner künstlichen Grenze?
Zum Schluss fasst Bodo Schäfer in seiner üblichen Manier zusammen, wie sich der Weg zu mehr Geld, mehr Lebensfreude und Erfüllung erreichen lässt (225):
- Erstens müssen wir verinnerlichen, dass wir alleine verantwortlich sind, und entsprechend handeln. Wir müssen begreifen: Es liegt an uns allein.
- Zweitens müssen wir unseren Selbstwert ständig steigern, damit wir uns trauen, Ziele zu setzen und an sie zu glauben.
- Drittens sollten wir herausfinden, was wir lieben – für alles andere ist unser Leben zu kurz. Leidenschaft verleiht Flügel und verändert die Natur der Arbeit.
- Viertens sollten wir anschließend (!) überlegen, wie wir mit unserer Leidenschaft gut Geld verdienen – in dem wir uns positionieren.
- Und fünftens müssen wir konstant lernen und wachsen, um unsere Qualität zu verbessern, als Mensch zu wachsen und unsere Arbeitsmethodik zu optimieren.
4. Fazit
In Rente oder Wohlstand. Wer sich auf die Rente verlässt, wird niemals finanziell frei! möchte der Autor seine Leser wachrütteln und dazu anregen, selbstverantwortlich zu handeln. Im weiteren Verlauf stellt Bodo Schäfer verschiedene Schritte vor, wie der Weg zum Wohlstand aussehen kann. Hier greift er auch auf einige seiner früheren Werke zurück und präsentiert eine realitätsnahe Strategie für ein Mehr an Freiheit und Unabhängigkeit. Auch hier gilt: Der beste Zeitpunkt zum Handeln war in der Vergangenheit, der zweitbeste ist heute.
Und sorgst Du bereits privat für Deinen (verfrühten) Ruhestand vor? Wenn ja, auf welche Weise? Ich freue mich auf Deinen Kommentar.



