Frauen und Geld: Finanzen selbst managen

Frauen und Geld – dieses Thema beschäftigt seit einiger Zeit sowohl die Finanzbranche als auch diverse Finfluencer, die mit ihren Dienstleistungen speziell auf die Bedürfnisse von Frauen eingehen. Ob Frauen einerseits tatsächlich eine andere Form von „Beratung“ benötigen und andererseits für irgendwelche Coachings vierstellige Summen ausgeben sollen, das ist durchaus zu hinterfragen. Das Thema Finanzen wird auch oft komplexer dargestellt als es ist. Bezahlte Beratung ist nicht immer notwendig und das Geld besser an der Börse direkt investiert. 

Dass die Finanzbranche tendenziell nach wie vor überwiegend männlich orientiert ist, zeigen Finanzmessen wie die Invest in Stuttgart. Die Besucher waren hauptsächlich männlich (nach meinem subjektiven Empfinden an zwei Messetagen 80 %). Die weibliche Community wächst nur langsam. Nichtsdestotrotz weisen verschiedene Studien darauf hin, dass Frauen die besseren Anleger sind, wenn sie sich mit dem Thema Investieren an der Börse auseinandersetzen. 

Private Vorsorge ist heutzutage Pflicht und im Alter sind nach wie vor insbesondere Frauen von Altersarmut bedroht. Insgesamt zeigen statistische Erhebungen, dass es in Deutschland immer noch viel zu wenig Aktionäre gibt und davon anteilsmäßig weniger Frauen als Männer. 

Welche Gründe Frauen davon abhalten, erfolgreich zu investieren, damit haben sich Bodo Schäfer und Carola Ferstl bereits im Jahr 1999 beschäftigt. In ihrem Buch „Geld tut Frauen richtig gut. So managen Sie Ihre Finanzen selbst und sind dabei viel erfolgreicher als die meisten Männer“ gehen die Autoren Unterschieden zwischen Frauen und Männern im Umgang mit Geld auf den Grund und zeigen auf, wie Investieren funktioniert. Die Tipps zur Geldanlage sind natürlich im Jahr 2024 nicht mehr aktuell. Die Gründe für die Scheu vieler Frauen, sich mit dem Thema Geld und Investments zu beschäftigen, sind es meines Erachtens nach wie vor. Einige davon möchte ich im folgenden Beitrag vorstellen. Dabei beziehe ich mich auf die Taschenbuchausgabe aus dem Jahr 2002.

„Der Wohlstand geht an den meisten Frauen vorbei. Und das darf nicht sein.“

Schäfer/Ferstl, Geld, 11

1. Geld bedeutet Unabhängigkeit

Gleich zu Beginn des Buches wird von den Autoren klargestellt, dass Geld mit Freiheit und Unabhängigkeit gleichzusetzen ist. Durch finanzielle Unabhängigkeit wird zudem erst wahre Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern hergestellt. Schließlich wirkt sich Geld auf alle Bereiche des Lebens aus. 

„Es wäre albern zu behaupten, dass Geld alle unsere Probleme löst. Aber es ist wichtig zu erkennen, dass wir mit Geld bessere Gelegenheiten haben, mehr Sicherheit, unsere Träume eher verwirklichen können, interessantere Menschen kennen lernen, spannendere Orte besuchen können und größeren Einfluss haben.“

Schäfer/Ferstl, Geld, 21

Gründe, die Menschen allgemein davor zurückhalten, Wohlstand aufzubauen, hängen – so die Autoren – weder mit den Fähigkeiten noch mit der Intelligenz einer Person zusammen, sondern es handelt sich um innere und äußere Hindernisse. Äußere Hindernisse sind Dinge wie zu wenig „Bargeld, zu wenig Gelegenheiten, die Umstände, unter denen wir aufgewachsen sind und unter denen wir jetzt leben, zu wenig Wissen über finanzielle Angelegenheiten, vielleicht auch ganz einfach eine gewisse Gleichgültigkeit und sogar Faulheit. (31)“ Das gute an diesen Hindernissen ist, sie lassen sich überwinden. Innere Hindernisse sind hingegen schwerer zu überwinden. Oft verstecken sie sich im Unterbewusstsein als irrationale Glaubenssätze, die wir nicht hinterfragen. Es gibt viele Gründe für schlechte finanzielle Verhältnisse von Frauen. Im Hinblick auf die Einstellung sind es laut Schäfer/Ferstl insbesondere folgende Gründe (52 f.):

  1.  Frauen sind oft eher familienorientiert. Eine gute Versorgung der Kinder und ein gemütliches Heim genießen eine höhere Priorität als Geld(verdienen).
  2. Frauen sorgen sich zunächst um andere statt um sich selbst.
  3. Frauen haben oft ein viel zu geringes Selbstwertgefühl und das wirkt sich auf Gehaltsverhandlungen sowie Honorarfestsetzungen aus.
  4. Auch Frauen in Spitzenpositionen befassen sich ungern mit dem Thema Geld.
  5. Zu viele Frauen verlassen sich auf einen Mann und geben die Verantwortung damit ab.

„In Bezug auf das Sparverhalten der Frauen gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Frauen sind sparsamer als Männer. Die schlechte: Sie sparen aber nicht hauptsächlich, um wohlhabend zu werden, sondern haben ganz andere Motive. Sie sparen für Notfälle, für größere Anschaffungen (Möbel, Urlaub, Auto), für das Haus oder für die eigenen Kinder. An sich selbst und den Aufbau von Vermögen denken die meisten Frauen viel zu wenig.“

Schäfer/Ferstl, Geld, 204 f. 

Wenn ich mich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis umschaue, dann treffen diese Gründe häufig immer noch zu bedauerlicherweise. Seit dem Erscheinen des Buches sind mittlerweile 25 Jahre vergangen. Vieles hat sich geändert, das Streben nach finanzieller Unabhängigkeit von Frauen scheint jedoch immer noch zu gering ausgeprägt zu sein.

2. Die häufigsten Fehler von Frauen im Umgang mit Geld

Gleich im zweiten Kapitel gehen Schäfer/Ferstl auf die häufigsten Fehler von Frauen ein, die sie im Umgang mit Geld an den Tag legen. Diese lauten (58-75):

  1. Frauen bürgen für ihren Partner.
  2. Frauen reden in der Partnerschaft zu wenig über Geld.
  3. Frauen verlassen sich auf ihren Partner.
  4. Frauen legen ihr Geld schlecht an.
  5. Frauen kompensieren den Verlust von harter Macht (Geld) durch weiche Macht.
  6. Frauen verdienen zwar weniger, zahlen aber gleich viel in die gemeinsame Kasse.
  7. Frauen haben oft keine klaren vertraglichen Regelungen für ihre Ehe oder Partnerschaft getroffen.
  8. Frauen gehen ungern Risiken ein.
  9. Frauen bitten ihren Partner um Geld statt eine klare Regelung zu treffen.
Dass ein Mann keine Altersvorsorge ist, hat die Autorin und Finanzexpertin Helma Sick in ihrem Buch mit demselben Titel ausführlich proklamiert. Warum sich eine westeuropäische Frau im 21. Jahrhundert, die oft sogar noch besser gebildet ist (statistisch gesehen haben mehr Frauen in Europa einen Universitätsabschluss als Männer), ihre Verantwortung für die eigenen Finanzen an einen Mann abgibt, ist nur schwer nachvollziehbar. Diese Frage muss jede Frau für sich selbst beantworten.
 
Das eigene Risikobewusstsein lässt sich allerdings trainieren. Auch gibt es mittlerweile viele kostenlose und sehr gute Informationen, um sich in das Thema Investieren einzuarbeiten. Es heißt nicht umsonst: Wo ein Wille, da auch ein Weg. Meiner Meinung nach geht es hier – wie auch Schäfer/Ferstl herausgearbeitet haben – um die Frage nach den eigenen Prioritäten. Wer die Verantwortung für seine Finanzen an jemand anderen abgibt (das kann auch ein Elternteil sein oder eine Bezugsperson aus dem engeren Umfeld), macht sich abhängig. Und wer abhängig ist, ist unfrei.

3. Eine positive Einstellung zu Geld entwickeln

Wie kann man also der Abhängigkeit entfliehen und eine positive Einstellung zu Geld entwickeln, um Wohlstand aufzubauen? Auch auf diese Frage gehen die Autoren ein. Veränderungen entstehen, wenn wir unsere Glaubenssätze herausfinden, hinterfragen und ändern.

„Die Ergebnisse haben etwas damit zu tun, welche Handlungen wir ausführen. Wie wir handeln, hängt von unseren Entscheidungen ab. Unsere Entscheidungen sind eine Konsequenz dessen, worauf wir uns konzentrieren. Worauf wir uns konzentrieren, richtet sich nach unserem internen Dialog. Wir reden nämlich ständig mit uns selbst.“

Schäfer/Ferstl, Geld, 79

Besonders hilfreich ist es, sich über die eigenen Bedürfnisse klar zu werden und darüber nachzusinnen, inwieweit Geld für die einzelnen Bedürfnisse erforderlich ist. Im Rahmen dieser Überlegungen tauchen Glaubenssätze auf und diese gilt es dann auf ihren Sinn zu überprüfen. Laut Schäfer/Ferstl geht es vor allem um folgende sechs Grundbedürfnisse:

  1. Sicherheit
  2. Abenteuer
  3. Einzigartigkeit (Bedeutung und Wichtigkeit)
  4. Liebe und Verbindung
  5. Wachstum
  6. Gutes tun
Bei all diesen Grundbedürfnissen ist die Frage zu stellen, ob und inwieweit Geld hilft, diese zu stillen. Auch ist der Zusammenhang der unterschiedlichen Grundbedürfnisse zu beachten. Sicherheit und Abenteuer sind beispielsweise zwei Seiten einer Medaille. Auch Einzigartigkeit sowie Liebe und Verbindung hängen zusammen. Darüber hinaus geht es auch darum, den eigenen Horizont zu erweitern, um ein Leben in Fülle zu führen. Letztendlich entscheidet die Grundeinstellung zum Thema Geld darüber, ob Frauen (und Männer) Wohlstand aufbauen oder nicht. 

 

„Geld ist eine Form von Energie. Und Energie ist unendlich viel vorhanden. […] Je mehr Energie wir bereit sind, in die wirklich wichtigen Bereiche des Lebens zu investieren, desto mehr Energie fließt uns zu. Aber dafür müssen wir offen sein und bereit. Wir müssen uns zu unseren Grundbedürfnissen bekennen.“

Schäfer/Ferstl, Geld, 125

4. Fazit

Es ist erfreulich zu sehen, dass im Jahr 2023 12,3 Millionen Mitbürger in Aktien, Aktienfonds und ETFs investiert haben. Davon waren 38 % Frauen. Im Hinblick auf das marode Rentensystem und die damit vorprogrammierte Altersarmut sind es jedoch viel zu wenig. Wie bereits eingangs erläutert, private Vorsorge ist für jeden, nicht nur für Frauen heutzutage unerlässlich, um später den eigenen Lebensstandard aufrechterhalten zu können. Die Börse bringt langfristig gesehen die besten Renditen. Deshalb kann ich jedem ans Herz legen, sich damit zu beschäftigen und die Verantwortung für die eigenen Finanzen zu übernehmen.

Bodo Schäfer und Carola Ferstl schließe ich mich gerne an und wiederhole: Geld tut Frauen (und natürlich auch Männern) richtig gut. Unabhängig und frei zu sein bedeutet, sein Leben nach eigenen Vorstellungen leben zu können und das in alle Lebensbereiche hinein. Diese Freiheit ist es wert, ihr einen Platz auf der Liste der eigenen Prioritäten einzuräumen, oder??? Also, los geht’s!

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