Seit ich im April 2019 mit dem Investieren angefangen habe, sind bereits fünf Jahre vergangen. Wenn ich zurückblicke, dann ist die Zeit nicht wirklich schnell verflogen. Insbesondere die Zeit rund um meine Promotion (März 2022 kam endlich die Promotionsurkunde) hat sich gezogen und gezogen. 😉 Doch zum Glück ist diese Vergangenheit. Auch bin ich mittlerweile kein Frischling mehr, was das Thema Börse und Investieren angeht. Fünf Jahre sind ein überschaubarer Zeitraum und ein guter Zeitpunkt, um ein Resümee zu ziehen. Heute möchte ich mit Dir im folgenden Beitrag deshalb meine fünf Learnings teilen.
„Der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt.“
Warren Buffett
1. Einfach loslegen
Als ich mit dem Thema Börse das erste Mal in Berührung kam, war ich fasziniert und auch verunsichert. Es war ein unbekanntes und neues Terrain. Da ich am einfachsten autodidaktisch aus Büchern lernen, habe ich mir entsprechende Literatur besorgt und mich in das Thema ETFs eingearbeitet. Hier haben mir insbesondere Klassiker von Gerd Kommer sowie Albert Warnecke (Finanzwesir) geholfen. Kaum fing ich an, mich mit dem Thema zu beschäftigen, fand ich auch heraus, wer in meinem Bekanntenkreis ebenfalls Aktionär ist. Einer meiner Bekannten hat mir schließlich geholfen, mein erstes Depot einzurichten. Und dann? Dann habe ich zwei ETF Sparpläne innerhalb von vier Wochen mit je 300 € Volumen ausgeführt. Das war so aufregend, dass ich die Nacht vor der Ausführung kaum schlafen konnte.
Als nächstes hatte ich mir vorgenommen, meine erste Einzelaktie zu kaufen. Aus verschiedenen Gründen entschied ich mich für das Unternehmen LVMH (WKN 853292). Ich investierte damals um die 1000 €. Gekriegt habe ich dafür insgesamt drei Aktien. Diese halte ich noch heute mittlerweile mit einer Rendite von über 100 %. Deshalb lautet das erste Learning für mich: Handle! Die Erfahrung kommt mit der Zeit. Am Anfang sind die Investitionssummen noch klein und überschaubar. Fehlinvestitionen lassen sich da besser steuern und bei einem automatisierten ETF Sparplan kann man nicht viel falsch machen.
„Ich versuche Aktien von Unternehmen zu kaufen, die so wunderbar sind, dass ein Idiot sie leiten kann. Denn früher oder später wird es einer tun.“
Warren Buffett
2. Finde Dein Warum
Beim Investieren ist es wichtig für sich selbst herauszufinden, mit welchem Ziel das erfolgt. Einfach so sparen und investieren bleibt selten von Erfolg gekrönt, denn die Verlockung ist groß, das Geld kurzfristig für etwas anderes auszugeben. Wer allerdings die Rentenlücke schließen oder allgemein für das Alter vorsorgen möchte, hat ein klares Ziel. Die Rentenlücke lässt sich berechnen. Eine Zahl, die die Höhe des Vermögens zum Renteneintrittsalter beschreibt, lässt sich ebenfalls kalkulieren.
Wer an seine Kinder etwas vererben oder eine exzellente Ausbildung finanzieren möchte, verfolgt ein anderes Ziel. Wer die finanzielle Freiheit oder zumindest Sicherheit anstrebt, setzt ebenfalls andere Prioritäten. Ich könnte die Liste noch weiter fortsetzen. Doch denke ich, dass es klar ist, worum es mir beim zweiten Learning geht. Erkenne den Grund für Dein Handeln und lege los. Mit einem klaren Ziel vor Augen lassen sich auch kleinere Etappen festlegen und das große Ziel über Jahre anvisieren. Denn bekanntermaßen ist die Börse kein Sprint, sondern ein Marathon.
Ich möchte für meinen Teil mit 55 keiner Erwerbsarbeit mehr nachgehen (müssen), sondern meine laufenden Kosten zu diesem Lebenszeitpunkt aus den Dividendenerträgen finanzieren. Dies gibt mir die Freiheit selbst zu entscheiden, wie ich mein Leben gestalte. Wenn ich mich zu diesem Zeitpunkt gesundheitlich noch fit genug fühle zu arbeiten, dann möchte ich das auch tun, jedoch nur in dem Maße, in dem mir das guttut.
„Beim Investieren geht es nur darum, in guten Zeiten gute Aktien auszuwählen und sie zu halten, solange sie gute Unternehmen sind.“
Warren Buffett
3. Entwickle eine Strategie
Wer sein Warum kennt, findet auch schneller heraus, welche Strategie sich am besten zur Erreichung des eigenen Ziels eignet. Jemand, der gerade die Schule beendet und eine Ausbildung beginnt, hat viel mehr Zeit, um beispielsweise in Wachstumswerte zu investieren. Auch hat derjenige mehr Zeit, um Fehler zu machen. Wer wie ich mit 30+ mit dem Investieren beginnt und in etwa 20 Jahren ein finanzielles Polster aufgebaut haben möchte, das regelmäßige Ausschüttungen generiert, braucht eine andere Strategie.
Darüber hinaus ist auch die eigene Lebensbiografie von entscheidender Bedeutung. Ein Single trägt (finanzielle) Verantwortung für sich selbst. Paare und Eltern tragen hingegen eine Verantwortung für mehrere Personen. Dieser Faktor beeinflusst ebenfalls strategische Entscheidungen, da logischerweise mehr Vermögen benötigt wird, um mehrere Personen finanziell abzusichern.
Die Entwicklung einer Strategie geschieht nicht über Nacht. Sie ist vielmehr das Ergebnis von Erfahrungen, Experimenten und dem eigenen Risikobewusstsein. Ich habe zu Beginn auch erst mal nur in ETFs investiert und mich nach und nach in das Thema Einzelaktien eingearbeitet und das Depot dementsprechend ausgerichtet.
„Wenn Sie nicht bereit sind, eine Aktie 10 Jahre lang zu halten, dann sollten Sie nicht einmal daran denken, sie 10 Minuten lang zu besitzen.“
Warren Buffett
4. Buy&Hold
Warren Buffett ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Investoren unserer Zeit. Es gibt vieles, was wir von ihm lernen können. Die wichtigste Lektion in diesem Kontext ist jedoch das Thema Buy&Hold. Die Grundidee kommt von dem Lehrer und Mentor von Warren Buffett: Benjamin Graham. In seinem Buch „Intelligent Investieren“ aus dem Jahr 1949 hielt Graham fest, dass zu viel Handel und ein Einstieg zum falschen Zeitpunkt sich negativ auf die Wertentwicklung des Portfolios auswirken. Deshalb ist es am besten, sich auf wenige Werte zu beschränken und diese langfristig zu halten. Die bevorzugte Haltedauer von Warren Buffett ist für immer.
In der Praxis lässt sich das natürlich nicht immer umsetzen. Wer beispielsweise vor ein paar Jahren Einzelaktien erworben hat, die mittlerweile nicht mehr zur eigenen Strategie passen, ist besser beraten, sich von ihnen zu trennen. Das ist eine rationale Entscheidung und auch wenn das Unternehmen im Minus ist, wird erst verkauft und das übrig gebliebene Geld in ein anderes investiert. Einmal gekaufte Anteile an guten Unternehmen oder ETFs, die langfristig steigen, lässt man am besten in Ruhe arbeiten. Über die Jahre summiert sich die Investition auf durch den Zinseszinseffekt.
„Die wichtigste Eigenschaft für einen Anleger ist das Temperament, nicht der Intellekt. Man braucht ein Temperament, das weder mit der Masse noch gegen die Masse Freude hat.“
Warren Buffett
5. Lass das Geld arbeiten
Das fünfte Learning ist: Einfach entspannt bleiben und das Geld arbeiten lassen. Auch wenn das Thema zu Beginn sehr aufregend und neu war, so hat sich bei mir über die Zeit eine entspannte Haltung gegenüber den Schwankungen an der Börse, den Ereignissen in der Weltwirtschaft sowie anderen Faktoren, die mit der Börse in Verbindung stehen, entwickelt. Zudem stellt sich eine gewisse Entspannung ein, je größer das Depot wird. Das ist auch logisch, denn je mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, desto größer ist das Sicherheitsgefühl. Man wird einfach finanziell unangreifbarer.
Auch beim Investieren hilft eine entspannte Grundhaltung, denn niemand kann die Zukunft voraussehen und keiner weiß, wie sich die Aktienkurse in der nahen Zukunft entwickeln. Aus der Geschichte wissen wir nur, dass im Durchschnitt eine bestimmte Rendite an den Märkten erreicht wird, da hierfür viele Daten aus der Vergangenheit vorliegen. Eine Garantie gibt es natürlich nicht. Wer also einmal seine Sparpläne eingerichtet hat, lässt diese am besten automatisch jeden Monat stur und stetig weiterlaufen. Über die Jahre sammelt sich viel mehr Vermögen an, als man sich das Anfangs vorstellt.
In diesem Zusammenhang möchte ich auch festhalten, dass die Börse auch ungeduldige Menschen (wie mich) Geduld lehrt. Bei einem langfristigen Ziel, das einen Anlagehorizont von mindestens 20 Jahren erfordert, hat man gar keine Wahl. Die Erreichung des Ziels geschieht nun mal nicht über Nacht. Hier lautet die Devise: Dranbleiben und weitermachen.
„Es ist nicht notwendig, außergewöhnliche Dinge zu tun, um außergewöhnliche Ergebnisse zu erzielen.“
Warren Buffett
6. Fazit
Das waren meine fünf Learnings aus fünf Jahren Börsenerfahrung. Ergänzend möchte ich noch festhalten, dass an der Börse genauso wie im Leben gilt: Fehler sind zum Lernen da. Auch ich habe Unternehmen im Depot, die 70 % im Minus sind. Auch habe ich manche Aktien aus Ungeduld zu früh gekauft oder verkauft. Das gehört dazu. Solange jedoch das Fundament des Depots unantastbar bleibt und das Grundgerüst sowie die eigene Strategie klar definiert sind, kann man sich auch den ein oder anderen Fehler leisten. Schließlich gibt es auf der anderen Seite Unternehmen, die über die Jahre mehrere 100 % Gewinn gemacht haben. Das gleicht etwaige Buchverluste aus.
Und wie steht es um Dich? Investierst Du bereits auch seit einigen Jahren? Welche Learnings hast Du aus dieser Zeit mitgenommen?



