Im ersten Beitrag des Jahres habe ich die These von Rainer Zitelmann in Bezug auf Kapitalismus als das bessere Wirtschaftssystem erörtert und in diesem Kontext auf den Index of Economic Freedom verwiesen. Dieser misst jedes Jahr die wirtschaftliche Freiheit eines Landes. Aktuell führt Singapur auf Platz eins von 184 Ländern. Auf der Durchreise Anfang Januar habe ich vier Tage in Singapur verbracht und möchte einige Eindrücke (natürlich aus touristischer Sicht) mit Euch, liebe Leserinnen und Leser, teilen.
„Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.“
Johann Wolfgang von Goethe
1. Singapur – Stadt der Löwen
Singapur ist ein dicht bevölkerter Insel- und Stadtstaat in Südostasien. Ursprünglich war das Land bewohnt von dem Volk der Orang und im 13. Jahrhundert unter dem javanischen Namen Temasek bekannt. Wie aus der Erzählung einer Sage heißt es, dass ein Prinz aus Sumatra Ende des 14. Jahrhunderts sich zum Herrscher der Insel erklärte und die Insel in Singapura (Sanskrit = Löwenstadt) umtaufte. Zunehmend entwickelte sich der Ort über die Jahrhunderte zu einem wichtigen Handelsposten. 1819 erreichte der britische Leutnant Gouverneur Sir Stamford Raffles Singapur und gründete im Namen der East India Company einen Handelshafen vor Ort. Dies führte dazu, dass sich die kleine Siedlung zu einer Stadt entwickelte und 1867 zu britischen Kronkolonie wurde.
Zu einer Selbstverwaltung kam es erst im Jahr 1959. Die Republik Singapur erreichte die Unabhängigkeit 1965. Heute gilt Singapur mit einer Fläche von 728,6 Quadratkilometern als das kleinste Staatsgebiet Südostasiens und gleichzeitig mit etwa sechs Millionen Einwohnern als das bevölkerungsreichste. Zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit herrschten in Singapur Massenarbeitslosigkeit, Wohnungsmangel und Rohstoffknappheit. Unter der Führung von Premierminister Lee Kuan Yew entwickelte sich die Wirtschaft ab 1966 so schnell, dass Singapur 1990 vom Schwellenland zu einer führenden Industrienation aufstieg.
Heute zählt Singapur zu den am höchsten entwickelten Ländern der Welt. Dies zeigt sich unter anderem an hohen Hygienestandards (Singapur gilt als die sauberste Stadt Asiens) und Sicherheitsstandards (extrem niedrige Kriminalitätswerte), an hoher Bildung, an der Diversität ethnischer Gruppen, der wichtigen Rolle als internationaler Finanzplatz, am starken Schutz der Eigentumsrechte, an einer Offenheit für den globalen Handel und der staatlichen Integrität. Der Spitzensteuersatz für Einzelpersonen beträgt 22 Prozent und der Spitzensteuersatz für Unternehmen 17 Prozent.
„Auf alle Weise sehe ich aber, wie schwer es ist, ein Land zu beurteilen; der Fremde kann es nicht und der Einwohner schwer.“
Johann Wolfgang von Goethe
2. Meine Eindrücke
Bei den Vorbereitungen für die Einreise muss man drei Tage vorher die Singapore Arrival Card Application online ausfüllen. Das ist recht unkompliziert und selbsterklärend. Allerdings bin ich bei meiner Recherche auf die aus unserer Sicht etwas seltsam angehauchten Gesetze wie das Verbot der Einfuhr von Kaugummi oder bestimmten freiverkäuflichen Medikamenten wie Aspirin Complex (wegen einer Begrenzung von Pseudoephedrin) gestoßen. Die Einreise vor Ort war allerdings die schnellste, die ich erlebt habe. Man scannt seinen Pass ein und geht einfach mit seinem Koffer durch, ohne Wartezeiten. Es gibt tatsächlich Länder, in denen die Digitalisierung fortgeschritten ist und funktioniert. 😉
Da Englisch zu den offiziellen Sprachen des Landes gehört, ist die Kommunikation unproblematisch. Ich konnte mich als Frau bei Tag und Nacht frei bewegen (in Deutschland mittlerweile vielerorts, vor allem im Stadtzentrum oder am Bahnhof unmöglich). Es ist extrem sauber (wobei ich Japan noch sauberer fand), es gibt viele öffentliche und saubere Toiletten und es herrscht überall Kameraüberwachung, ob im ÖPNV oder auf der Straße.
Nach meiner Recherche hat Singapur seine Sicherheitspolitik seit 1984 als Vernetzung aller öffentlichen Lebensbereiche konstruiert, genannt: Total Defence. Das System basiert auf fünf Säulen: der militärischen, zivilen, wirtschaftlichen, sozialen und psychischen.
Es gibt viele Zugangspunkte für freies WLAN und das bei einer hohen Geschwindigkeit. Man braucht als Tourist noch nicht mal eine aufladbare Karte für den ÖPNV, sondern bezahlt bequem mit der Kreditkarte beim Ein-und Aussteigen. Der ÖPNV ist sehr günstig und beginnt bei 10 Cent. Die Abrechnung erfolgt nach Weite der Wegstrecke. Bei uns würde ich noch nicht mal von meinem Wohnort (gehört zum Stadtverband Saarbrücken) nach Saarbrücken gelangen für den Betrag, der hier pro Tag fällig wurde. Der Fortschritt von Singapur ist auch an der erstaunlichen und imposanten Architektur, der Größe des Finanzviertels, der kulturellen Vielfalt, der Tatsache, dass sehr viel gebaut (und damit auch investiert) wird – sowohl in Wohnraum als auch Bürogebäude – ersichtlich. Die Menschen sind sehr höflich und respektvoll.
Es gibt horrende Strafen für unangemessenes Verhalten wie Essen in der U-Bahn. Es herrscht ein umfassendes Rauchverbot, für Raucher gibt es bestimmte Zonen. Mir ist aufgefallen, dass (dort, wo erlaubt) viel geraucht wird. Die Lebensqualität ist spürbar hoch. Ich spekuliere mal, die Mietpreise dürften ebenfalls hoch sein. 😉 Um zu sehen, was der Mensch alles errichten kann, allein architektonisch (viele Wolkenkratzer werden in Harmonie mit Grünanlagen in organischer Bauweise gebaut, die zwischen Stockwerken, auf dem Dach oder auf der Fassade platziert werden) ist Singapur eine Reise wert. Aufgrund des tropischen Klimas ist das allerdings für mich kein Ort, an dem ich länger verweilen möchte, da die hohe Luftfeuchtigkeit belastend ist.
„Man entdeckt keine neuen Erdteile, ohne den Mut zu haben, alte Küsten aus den Augen zu verlieren.“
André Gide
3. Fazit
Neue Orte kennenzulernen ist stets eine Bereicherung. Nach meiner Rundreise letztes Jahr durch Südkorea und Japan, war Singapur definitiv mindestens auf demselben Level von seiner Entwicklung, Sauberkeit und Architektur. Auch zeigt die geschichtliche Entwicklung, dass eine freie Marktwirtschaft und günstige Rahmenbedingungen, die seitens der Politik gesetzt werden, zu einer florierenden Entwicklung führen und damit auch zum Wohlstand der Gesellschaft. Weitere Gründe, warum Singapur als aktuell führendes Land wirtschaftlicher Freiheit gilt, ist im Index der wirtschaftlichen Freiheit nachlesen.



