Crash – was tun?

„An der Börse reichen 2 Jahre nicht, um ein Guru-Diplom zu erwerben. Dafür braucht man mindestens 20 Jahre.“

André Kostolany (Börsenlegende)

Lange kannten die Aktienkurse nur eine Richtung – nach oben. Insbesondere seit dem Corona-Crash im März 2020 haben die Indizes als auch Einzelaktien ein Allzeithoch nach dem anderen erklimmt. Der S&P 500 stieg seit März 2020 von 2541 Punkten auf 6144 Punkte im Februar 2025. Der NASDAQ 100 lag im März 2020 noch bei 7588 Punkten und bei 22.222 Punkten auf dem Allzeithoch im Februar 2025, während der DAX von 9548 auf 23.461 Punkte anstieg. Seit Anfang April erleben die globalen Finanzmärkte jedoch aufgrund der Zollmaßnahmen von Präsident Donald Trump eine Zitterpartie. Nach der Rücknahme der meisten angekündigten Zölle für die nächsten 90 Tage, erholte sich der Markt für einen kurzen Moment und bewegte sich erneut nach unten.

Von einem Crash ist meistens die Rede, wenn zwischen dem Allzeithoch und dem Tiefpunkt etwa 20 % Differenz liegen und diese Differenz erreichte beispielsweise der S&P 500. So titelte Focus online am 05.04.2025: „Mit einer Tabelle vernichtet Trump 1.786.000.000.000 Euro Börsenwert“. Welche Gründe hinter dem Vorgehen von Donald Trump und seinen Beratern stecken könnten, erklärt Horst Lüning anschaulich in einem aktuellen Video. Ich möchte in diesem Beitrag darauf eingehen, wie man als Privatanleger mit einer solchen Situation umgehen könnte und welche Chancen darin liegen.

„Beim Tiefstand haben die Hartgesottenen die Papiere und die Zittrigen das Geld, auf dem Höhepunkt des Booms die Hartgesottenen das Geld und die Zittrigen die Papiere.“

André Kostolany (Börsenlegende)

1. Eine Krise ist stets eine Chance

Das altgriechische Wort κρίσις (krísis) bedeutet so viel wie Wahl, Entscheidung, Beurteilung, Resultat (Menge-Güthling). In einer Krise geht es also vereinfacht gesagt darum, eine Entscheidung zu treffen. Wenn sich der weltweite Aktienmarkt so massiv wie in den letzten Tagen nach unten bewegt, dürften viele Depots im roten Bereich liegen. Auch mein Depot hat Federn gelassen und die Gewinne der letzten Jahre teilweise eingebüßt sowie einige Buchverluste hingelegt. Ich investiere mittlerweile seit sechs Jahren und habe 2020 den Corona-Crash miterlebt.

Als Börsenneuling war der Ausverkauf an den Märkten eine lehrreiche Lebenserfahrung. Ich hatte damals nicht viel Kapital zur freien Verfügung, um die günstigen Kurse als Kaufgelegenheit zu nutzen. Dieses Mal war ich besser vorbereitet. Auch kann ich heute wesentlich entspannter auf die Kursverluste blicken, da ich optimistisch in die Zukunft sehe und davon überzeugt bin, dass früher oder später die Kurse wieder nach oben laufen werden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir uns die nächsten Monate in einem Bärenmarkt befinden werden. Auch ich habe keine Glaskugel. Welche Entscheidungen können also von einem Privatanleger in einer solchen Situation getroffen werden?

„Oft muss man an der Börse die Augen schließen, damit man besser sehen kann.“

André Kostolany (Börsenlegende)

2. Wie handeln im Crash?

Welche Entscheidungen für das eigene Depot am besten sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  1. Handelt es sich um ein Sparplandepot mit automatisierten monatlichen Sparplänen?
  2. Handelt es sich um ein Depot mit Qualitätsaktien, die nach eigener Analyse regelmäßig aktiv aufgestockt werden?
  3. Sind die Investitionen langfristig gedacht (Dekaden)?
  4. Ist liquides Kapital vorhanden, das kurzfristig nicht benötigt wird?
  5. Bis zu welchen Kursverlusten kann man Nachts noch ruhig schlafen (Risikoprofil)?

Ich kann an dieser Stelle meine Erfahrungswerte wiedergeben. Da ich wie oben berichtet, beim ersten miterlebten Crash keine Liquidität hatte, habe ich Rücklagen gebildet, um bei einer starken Börsenkorrektur Nachkäufe tätigen zu können. Ich investiere langfristig in Qualitätsaktien und verfolge eine Dividendenstrategie, die darauf abzielt einen regelmäßigen Cashflow aufzubauen, der eines Tages meine laufenden Ausgaben decken soll. D.h. unabhängig davon, dass mein Depot unrealisierte Kursverluste (= Buchverluste) aufweist und etwa 8 % im Minus ist, habe ich letzte Woche fleißig nachgekauft (LVMH, Novo Nordisk, Nike, Ares Capital usw.). Seitdem sind die Kurse nochmals nach unten abgedriftet. Da ich kein Market Timing betreibe, ist es mir nicht möglich zu berechnen, wann der Tiefpunkt erreicht ist. Deshalb investiere ich in Tranchen. Optionen als mögliche Absicherung handle ich derzeit nicht, da ich mich noch in das Thema reinarbeite.

Mein Sparplandepot läuft weiterhin wie bisher. Ich habe die Sparpläne nicht aufgestockt. Dies ist allerdings eine gute Möglichkeit für alle, die automatisiert monatlich investieren. Auf diese Weise erwirbt man aktuell Anteile an tollen Unternehmen zu günstigeren Preisen. Für mich ist ein Crash wie Sommer- und Winterschlussverkauf zusammen. 😉 

Eine weitere Möglichkeit ist einfach nichts zu tun, alles so zu belassen, wie es ist und sich auf andere Dinge im Leben zu konzentrieren. Also bitte einmal tief durchatmen und nicht ins Depot schauen. An den aktuellen politischen Begebenheiten können wir als Einzelperson nichts ändern, genauso wenig an den Reaktionen der Märkte, die Unsicherheit hassen. Wozu sich also die eigenen Nerven strapazieren? Besser ist es, etwas Schönes mit seiner Familie oder seinen Freunden oder allein für sich zu planen, so beispielsweise den nächsten Ausflug. Alternativ ist das auch ein guter Zeitpunkt, um sich auf sein berufliches Fortkommen zu fokussieren und sich möglicherweise nach einer Nebentätigkeit umzuschauen, um weiteres Kapital für Investitionen zu erwirtschaften.

Wer einen Buchverlust im zweistelligen Prozentbereich in seinem Depot hat, könnte den Moment nutzen, um über seine Allokation nachzudenken. Ist das Depot möglicherweise zu Technologielastig oder sehr konzentriert (z.B. nur Themen-ETFs oder wenige Einzelaktien/Krypto)? Ist die Länderstreuung/Währungsstreuung breit genug? Schlafe ich möglicherweise besser, wenn ich breit gestreut in einen Weltmarkt-ETF investiere? Wie viel von dem investierten Kapital sollte daneben noch in sicheren Anlagen verweilen?

Wer in wenigen Jahren auf sein Depot zurückgreifen und dieses entsparen möchte, könnte jetzt seine Rücklagen weiter ausbauen, um nicht verkaufen zu müssen, sollten die Kurse weiter tief stehen.

Die aktuelle Zeit ist eine Geduldsprobe und auch eine Bewährungsprobe für die eigene Risikobereitschaft. Wenn das investierte Kapital schneller schmilzt als Eis, offenbart sich der wahre Charakter eines Börsianers.

„An der Börse ist alles möglich – auch das Gegenteil.“

André Kostolany (Börsenlegende)

3. Fazit

Ein Crash gehört zum Leben eines Investors mit langem Anlagehorizont einfach dazu und wie wir damit umgehen, hängt von unserer Entscheidung (krísis) ab. Wer langfristig investieren möchte, braucht Geduld, Beharrlichkeit, Demut und Optimismus. Denn am Ende belohnt das Leben diejenigen, die nicht so leicht aufgeben und das sowohl an der Börse als auch in anderen Lebensbereichen. Zusammengefasst lautet also die wichtigste Botschaft im Crash: nicht aufgeben und weitermachen.

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