Es gibt Bücher, die auch viele Jahre nach ihrem Erscheinen wichtige Lektionen fürs Leben enthalten. Das gilt auch für den Bereich Finanzen. Ein absolutes Lieblingsbuch von mir ist „Der Cashflow Quadrant: Rich Dad Poor Dad“ von Robert T. Kiyosaki. Warum dieses Buch zu meinen Top 3 Finanzenbüchern zählt, habe ich an anderer Stelle bereits erörtert. Auf einfache und verständliche Weise stellt der Autor anhand einer einfachen Skizze die Unterschiede zwischen vier verschiedenen Menschentypen, die in der Geschäftswelt zu finden sind, heraus und erklärt, wie der Weg zur finanziellen Freiheit aussieht. Dabei spielt der Kapitalfluss (= Cashflow) die Hauptrolle. Denn wer Vermögenswerte schafft und damit einen regelmäßigen Cashflow aufbaut, der größer ist als die eigenen Ausgaben, ist finanziell frei.
„Man braucht einen Traum, eine Menge Entschlossenheit, den Willen, rasch zu lernen, sowie die Fähigkeit, seine natürlichen Talente richtig einzusetzen und zu wissen, aus welchem Feld des CASHFLOW-Quadranten man sein Einkommen beziehen will.“
Robert Kiyosaki, Cashflow Quadrant, 39
1. Der Cashflow Quadrant im Detail
Beim Cashlow Quadranten handelt es sich um ein Diagramm, das unterschiedliche Möglichkeiten, Einkommen zu erzielen oder Geld zu machen, repräsentiert (40). Auf der linken Seite des Quadranten befinden sich der Angestellte (E = Employee) und der Selbstständige (S). Auf der rechten Seite des Quadranten stehen der Geschäftsinhaber (B = Business owner) und der Investor (I). Die unterschiedlichen Arten, Einkommen zu erzielen, sind geprägt von unterschiedlichen Geisteshaltungen, Fähigkeiten, Berufswegen und Menschentypen.
„Während Geld immer gleich bleibt, können sich die Arten, wie man es verdient, enorm voneinander unterscheiden.“
Robert Kiyosaki, Cashflow Quadrant, 40
Grundsätzlich ist der Autor überzeugt, dass die meisten Menschen befähigt sind, aus allen vier Feldern des Quadranten Einkommen zu erwirtschaften. Die Entscheidung dafür, welches Feld als Haupteinkommensquelle dient, ist eine persönliche, da sie von den eigenen Interessen, Stärken, Schwächen und Wertesystemen abhängt. Je nachdem, auf welcher Seite des Quadranten man sich befindet, eröffnet sich eine ganz neue Perspektive auf die Welt. Zusammengefasst unterscheiden sich die vier Felder des Cashflow Quadranten folgendermaßen:
Wer als Angestellter arbeitet, arbeitet für das System. Wer als Selbstständiger arbeitet, ist das System. Wer Geschäftsinhaber ist, verfügt über ein System und Mitarbeiter, die für ihn arbeiten. Wer Investor ist, der lässt Geld für sich arbeiten und investiert folglich Geld in das System.
2. Freiheit oder Sicherheit?
„Viele Leute suchen die Sicherheit im Beruf, weil sie es in der Schule und zu Hause gelernt haben.“
Robert Kiyosaki, Cashflow Quadrant, 89
Viele Menschen stellen Sicherheit über Freiheit – so Robert Kiyosaki. Die Hauptursache dafür sieht er im Schulsystem und auch in den Prägungen zu Hause. Auch er hat persönlich die Erfahrung gemacht, dass sein leiblicher Vater ihm geraten hat, nach dem Collegeabschluss einen sicheren Job zu suchen. Glücklicherweise erhielt Robert Kiyosaki vom Vater seines Freundes einen anderen Rat und zwar den, ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Der erste Rat zielt auf die linke Seite des Cashflow Quadranten (Angestellter, Selbstständiger) und verfolgt das Ziel Sicherheit, während der zweite Rat auf der rechten Seite des Cashflow Quadranten einzuordnen ist, das Ziel hier lautet: Unabhängigkeit. Die Programmierung Richtung Arbeitsplatzsicherheit statt finanzielle Sicherheit oder finanzielle Unabhängigkeit führt dazu, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung auf der linken Seite des Quadranten tätig ist.
„Viele Menschen streben nach finanzieller Unabhängigkeit und Zufriedenheit. Das Problem ist, dass die meisten Leute es nicht gelernt haben, auf den Feldern B und I zu operieren.“
Robert Kiyosaki, Cashflow Quadrant, 96
Aufgrund eines Mangels an Wissen gelangen die meisten Menschen nie zu finanziellen Sicherheit oder finanziellen Unabhängigkeit. Dies lässt sich jedoch ändern. Wer sich Wissen über die Felder B und I aneignet und mit der Zeit Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickelt, operiert gleichzeitig auf mehreren Feldern im Cashflow Quadrant. Im ersten Schritt entsteht dadurch finanzielle Sicherheit, denn man ist nicht mehr von einer einzigen Einkommensquelle abhängig.
Wer beispielsweise Einkünfte aus einem Angestelltenverhältnis, einer freiberufliche Nebentätigkeit und passivem Einkommen aus Zinsen/Dividenden/Vermietung/P2P-Krediten oder anderweitigen Investitionen schöpft, diversifiziert seine Einkommensquellen. Entfällt eine Quelle, aus welchen Gründen auch immer, so bleibt immer noch ein gewisser Einnahmestrom bestehen.
Geld allein – so Robert Kiyosaki – bringt jedoch allein keine Sicherheit. Finanzielle Unabhängigkeit erreicht man nur auf dem B-und I-Feld, da in diesem Bereich des Cashflow Quadranten andere Menschen oder Geld für einen arbeiten, während es einem selbst freisteht zu entscheiden, ob man arbeiten möchte oder nicht. Eine Wette auf die Arbeitsplatzsicherheit wäre im heutigen Umfeld wesentlich riskanter als einen Teil seines Geldes in Sachwerte langfristig anzulegen.
„Faktum ist, dass es nicht die Aufgabe Ihres Chefs ist, Sie reich zu machen. Die Aufgabe Ihres Chefs ist, sicherzustellen, dass Sie Ihr Gehalt bekommen. Es liegt an Ihnen, reich zu werden, wenn Sie wollen.“
Robert Kiyosaki, Cashflow Quadrant, 112
Es ist also eine persönliche Entscheidung, wie das eigene Leben aussehen soll. Wer reich werden möchte, macht den ersten Schritt in dem Moment, in dem das Gehalt auf dem Konto verbucht wird. Es spricht schließlich nichts dagegen, sein Beschäftigungsfeld auf beide Hälften des Cashflow Quadranten zu verteilen und durch persönlichen Einsatz nach der eigentlichen Arbeitszeit das Fundament für eine Zukunft mit mehr Freizeit und größerer finanzieller Unabhängigkeit zu legen. „Zu lernen, wie man investiert, ist wichtig, weil Investieren der Schlüssel zu finanzieller Freiheit ist.(129)“ Menschen, die nicht investieren oder zu wenig investieren, erleben dem Autor zufolge folgende Situation (129):
- Sie arbeiten ihr Leben lang hart.
- Sie machen sich ihr Leben lang Sorgen ums Geld.
- Sie sind abhängig von anderen, wie Familie, Betriebsrente oder der Regierung, die sich um sie kümmern.
- Die Grenzen ihres Lebens sind durch das Geld bestimmt.
- Sie werden nicht wissen, was echte Freiheit ist.
„Wenn Sie nicht gut mit Geld umgehen können, kann alles Geld der Welt Sie nicht retten. Wenn Sie klug mit Ihrem Geld wirtschaften und sich entweder auf dem Feld B oder Feld I des Quadranten Kenntnisse aneignen, befinden Sie sich auf dem Weg zu großem persönlichen Vermögen und, was das Wichtigste ist, zu finanzieller Unabhängigkeit.“
Robert Kiyosaki, Cashflow Quadrant, 112
3. Fünf verschiedene Typen von Investoren
Robert Kiyosaki unterscheidet fünf Typen oder Level von Investoren, die im I-Quadranten operieren:
- Level 1: Der Keine-finanzielle-Intelligenz-Level
- Level 2: Der Sparer-sind-Verlierer-Level
- Level 3: Der Ich-bin-zu-beschäftigt-Level
- Level 4: Der Ich-bin-ein-Profi-Level
- Level 5: Der Kapitalisten-Level
Zwischen jedem Level gibt es Unterschiede und je mehr man seine Fähigkeiten entwickelt, desto weiter steigt man auf. Bei finanzieller Bildung geht es auch nicht um den Besuch von traditionellen Schulen und den Erwerb von akademischen Abschlüssen, sondern um Bildungsmöglichkeiten, die die unternehmerischen- und Investitionsfähigkeiten verbessern. An diesem Punkt ist es wichtig, sich selbst zu fragen, wo man heute steht.
Wer weder Vermögenswerte besitzt noch Einkommen aus Investments erzielt und gleichzeitig Schulden angehäuft hat, startet auf dem untersten Level. Der erste Schritt ist, aus den Schulden rauszukommen. Auf Level 2 befinden sich Sparer, die ihr Geld auf der Bank oder in einer Rentenversicherung anlegen. Meistens stehen sie damit auf der Verliererseite, da man beim Sparen wenig lernt und die Ersparnisse durch die Inflation entwertet werden. Level drei ist etwas riskanter und hier kommen Instrumente wie Aktien, Anleihen, Anlagefonds, Versicherungen und ETFs zum Einsatz. Auf Level 4 ist die finanzielle Bildung so weit fortgeschritten, dass man als professioneller Investor tätig sein kann. Hier geht es darum, sich die Zeit zu nehmen, das Geld selbst zu verwalten und durch lebenslanges Lernen die Kontrolle über das Leben zu übernehmen. Angst und Risiko befinden sich auf diesem Level im Gleichgewicht. Level 5 ist das erstrebenswerte Ziel, weil an diesem Punkt die Welt einem offen steht.
„Eine große Sache beim Thema Freiheit ist die Freiheit, das Leben zu leben, dass Sie leben wollen.“
Robert Kiyosaki, Cashflow Quadrant, 149
4. Fazit
„Der Cashflow Quadrant: Rich Dad Poor Dad“ von Robert Kiyosaki ist eine Pflichtlektüre im Bereich finanzielle Bildung. Es ist deshalb nicht überraschend, dass die gesamte Rich Dad Poor Dad-Reihe sich einer großen Beliebtheit erfreut und die Bücher – insbesondere der Cashflow Quadrant – auf vielen anderen Finanzblogs regelmäßig rezensiert und besprochen werden. Ich habe das Buch im ersten Jahr meiner Beschäftigung mit dem Thema Börse und Investieren in die Hände bekommen und es hat meine Entscheidungen langfristig geprägt.
Wer einmal verstanden hat, wie groß die Macht des Cashflows ist und welche Freiheit er einem schenkt, kann gar nicht anders, als sein Leben in Richtung finanzielle Freiheit auszurichten. Schließlich ist unsere Freiheit das wichtigste Gut, das wir neben unserer Gesundheit besitzen. Hierfür ein paar Extrameilen zu gehen und sich die Zeit zu nehmen, in die eigene finanzielle Bildung zu investieren, ist sicherlich eine Aufgabe, die sich langfristig auszahlt. Also worauf noch warten? Die beste Zeit zu handeln ist Jetzt!



