Resilienz steigern als Anleger

Die Fähigkeit zur Resilienz bezeichnet die psychische Widerstandskraft beim Umgang mit schwierigen Lebenssituationen. Diese Widerstandsfähigkeit beeinflusst jeden Lebensbereich und ist auch für Anleger an der Börse förderlich, um mit der Volatilität und den unvorhersehbaren Überraschungen umzugehen. Neben den vier einfachen Lehrern übers Investieren hat der Autor und Journalist William Green in seinem Werk „Über die Kunst reicher, weiser und glücklicher zu sein. Wie die besten Investoren der Welt an der Börse und privat erfolgreich sind“ fünf Regeln der Widerstandsfähigkeit für Anleger festgehalten. Diese möchte ich Dir im folgenden Beitrag vorstellen.

„Anleger machen häufig den fatalen Fehler anzunehmen, die Zukunft werde sich kaum von der gerade erlebten Vergangenheit unterscheiden.“ 

William Green, Über die Kunst, 130

1. Respekt vor Unsicherheit

Niemand kann vorhersagen, was an der Börse als nächstes geschieht, deshalb besitzt ein resilienter Anleger Respekt vor der Unsicherheit. Wer sich beispielsweise den MSCI World Index anschaut und verschiedene Krisen von der Dotcom-Blase bis zum Ukraine-Krieg bedenkt, stellt fest, dass der Index trotz aller Krisen bestrebt ist, zum nächsten Allzeithoch zu klettern. Um als Anleger ruhig und entspannt durch die Krisen zu manövrieren, ist es deshalb erforderlich zu akzeptieren, dass „Unordnung, Chaos, Volatilität und Überraschungen keine Ausnahmen, sondern die Regel sind. (140)“ Indem Du als Anleger damit rechnest, dass solche Verwerfungen garantiert früher oder später auftreten, wirst Du leichter mit ihnen fertig.

2. Verwundbarkeit reduzieren

Zwischen Investieren und Spekulieren besteht ein großer Unterschied. Dieser ist besonders am Faktor Zeit zu erkennen. Während ein Investor sein Geld langfristig angelegt und nicht ständig hin und her handelt, setzt der Spekulant kurzfristig auf steigende oder fallende Kurse. Dabei kommen unterschiedliche Finanzinstrumente und Herangehensweisen zum Einsatz, um das jeweilige Ziel zu erreichen. Eine Verwundbarkeit an der Börse entsteht beispielsweise durch eine hohe Verschuldung. Denn so mancher spekuliert auf Kredit, um einen größeren Hebeleffekt und damit auch höhere Gewinne zu erreichen. Je länger diese Vorgehensweise praktiziert wird, „desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass unvorhergesehene Ereignisse die eigenen Schwachstellen offen legen und man Verluste erleidet. (140)“

„Zweitens, wenn wir ein hohes Maß an Widerstandsfähigkeit erreichen wollen, dürfen wir uns nicht so hoch verschulden, insbesondere unsere Investitionen nicht mit Krediten finanzieren und keine übertriebenen Ausgaben tätigen.“

William Green, Über die Kunst, 140

3. Verlustrisiken beachten

Wer auf kurzfristige Gewinne fixiert ist, Timing des Markteinstiegs betreibt oder irgendwelche Vergleichswerte zu übertreffen versucht, geht ein hohes Risiko ein, das vermeidbar wäre. Für mehr Widerstandsfähigkeit ist es erforderlich, langfristig im Spiel zu bleiben und dabei möglichst darauf zu achten, kein Geld zu verlieren. Denn Gewinne stellen sich zum Teil auch von selbst ein. Hier wird derjenige belohnt, der geduldig bleibt.

„Bis zu einem gewissen Grad fallen Gewinne ohne unser Zutun und praktisch von selbst an, wenn die Wirtschaft wächst, die Produktivität steigt, die Bevölkerung zunimmt und der Zinseszinseffekt seine magischen Wirkung tut.“

William Green, Über die Kunst, 140

4. Übertriebenes Selbstvertrauen meiden

Übertriebenes Selbstvertrauen führt zu irrationalem Verhalten bei der Geldanlage. Wer sich für klüger als alle anderen hält und glaubt besser den Markt einschätzen zu können als Spezialisten, die sich den ganzen Tag mit dem Markt beschäftigen, der irrt. Umso wichtiger ist es, das eigene Verhalten beim Investieren an der Börse zu kontrollieren und sich von Gefühlen möglichst zu distanzieren. Menschen neigen nämlich häufig dazu, Situationen nur unvollständig zu analysieren und sich unlogisch zu verhalten. Kluge Investitionen basieren hingegen auf Fakten. Wer sich dieser Schwäche bewusst ist, geht etwas rationaler an das Thema Geldanlage heran. 

5. Sicherheitspolster anlegen

Aufgeklärte Börsen-Realisten bestehen Green zufolge auf einem Sicherheitspolster. Wer die bisherigen Regeln beachtet, weiß bereits über Unsicherheiten an der Börse. Das Streben nach Rendite geht gemäß dem Renditedreieck stets mit einem gewissen Risiko einher. Wie hoch das eigene Risikobewusstsein ist, hängt von der eigenen Persönlichkeit ab. Grundsätzlich ist ein gesundes Risikobewusstsein weder furchtsam noch pessimistisch, sondern realistisch und optimistisch. 

Ein Sicherheitspolster hilft über schlechte Zeiten hinweg und ermöglicht in Krisenzeiten Investitionen zu günstigen Preisen. Wer beispielsweise in der Corona-Krise die fallenden Kurse für eine antizyklische Investition genutzt hat, dürfte mittlerweile gut profitiert haben. 

Auf einige Privatinvestoren wirkt ein Sicherheitspolster in Form von einem Geldbetrag im Depot beruhigend. Auch bringt dieser Flexibilität. Wer ein hohes Risikobewusstsein hat, der kann natürlich zu 100 % in Aktien gehen.

„[…] widerstandsfähige Investoren [haben] die Stärke, das Selbstvertrauen und den Glauben an die Zukunft, gute Gelegenheiten beim Schopf zu packen, während nicht widerstandsfähige Investoren am Abgrund entlangtaumeln und mit sich selbst beschäftigt sind.“

William Green, Über die Kunst, 141

6. Fazit

Mit den fünf Regeln für mehr Widerstandsfähigkeit an der Börse macht der Autor darauf aufmerksam, dass die eigene Psychologie bei der Geldanlage eine große Rolle spielt. Börsenpsychologie ist sogar ein Untergebiet der Verhaltensökonomik und damit Teil der Wirtschaftswissenschaften. Die Resilienz als Anleger entwickelt sich natürlich nicht über Nacht, sondern sie wächst mit der Erfahrung über die Jahre an. Deshalb ist es umso wichtiger, langfristig zu investieren, statt auf kurzfristige Spekulationen zu setzen.

Befolgst Du denn Regeln beim Investieren? Welche sind das? Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

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